Dieter Waeckerlin bei Okay-Art

Waeckerlin, wiederentdeckt

Parallel zur Design Miami/Basel, die mit internationalen Heroen glänzt, wird an der Schützenmattstrasse ein Basler wiederentdeckt. Die Galerie Okay Art zeigt die wichtigsten Werke des Möbeldesigners Dieter Waeckerlin.

Parallel zur Design Miami /Basel, die mit internationalen Heroen glänzt, wird an der Schützenmattstrasse ein Basler wiederentdeckt. Die Galerie Okay Art zeigt die wichtigsten Werke des Möbeldesigners und Innenarchitekten Dieter Waeckerlin (1930-2013) aus den Jahren 1950 bis 1979.

Dieter Waeckerlin arbeitete nach einer Schreinerlehre und einem Praktikum für Innenarchitektur in Paris in den familieneigenen Betrieben Schreinerei Roser und  Möbelhandel Idealheim. Das Möbelsystem hatte es ihm angetan – es erlaubte ihm, aus den Kombinationen individuelle, gebrauchstaugliche Lösungen für Innenräume zu finden. 1957 entwarf er etwa das Buffet-Serie I: Seine beiden Türen lassen sich mit einer Hand an der umlaufenden Griffkerbe öffnen, die Auszüge können herausgehoben und dank der integrierten Grifflöcher als Tablett genutzt werden. Ausserdem nimmt ein für das System typischer Halter Flaschen auf. Die Masse sind wo immer möglich auf Le Corbusiers Modulor abgestimmt, die Kunden wählten exquisite Hölzer wie Ahorn, Teak, Nussbaum, Palisander oder japanischer Ulme.

Was Waeckerlin Renommee einbrachte und internationale Produzenten wie Erwin Behr, Walter Knoll, Cassina oder Carl Haiges zu seinen Kunden machte, wurde offenbar von den Exponenten des SWB weniger geschätzt – auf jeden Fall wurde ihm die Mitgliedschaft verweigert, trotz zwei Auszeichnungen Die Gute Form, die er 1964 vom Verband erhielt. Zu wenig streng, zu wenig Bauhaus und zu atmosphärisch waren wohl seine Entwürfe und deren Präsentation im eigenen Möbelladen. Ein Vorwurf, der sich heute in einen Vorteil verkehrt hat: Seine Möbel sind heute als «classic contemporary» auf dem Vintage Markt umso gesuchter. Neben den eleganten Sideboards, Schrankwandmöbeln, Regalen und Schiebetürenschränken entwickelte Dieter Waeckerlin auch Möbelmaterialien wie die aus Abschnitten exotischer Hölzer zusammengesetzten Massivholzplatten, die er als «Wenge-Parkett» auch bei eigenen Entwürfen einsetzte. Ein Material, das in den 1970er und 1980er Jahren einen regelrechten Trend im Möbelbau setzte. 1979 entwickelte er zusammen mit Edlef Bandixen das Plattenmaterial «Diagonalmassiv» für Dietiker Möbel. In den 1970er-Jahren eröffnete er den Laden Wohndesign, der als erster in der Schweiz die Marken Cassina, B+B, Artemide, Kartell, Flos und Poltronova anbot.

Für den Innenarchitekten und Professor an der Hochschule Luzern Dominic Haag-Walthert, der die Ausstellung initiiert hat und eine Publikation über das Werk von Dieter Waeckerlin vorbereitet, bleibt es rätselhaft, warum der Möbeldesigner und Idealheim in Vergessenheit geraten sind: «Denn in seiner Karriere hat er mindestens 200 Möbel entwickelt wovon auch mindestens 120 verkauft wurden.» So manch eine Kundin, die bei Okay-Art hereinschaut, reagiere erstaunt und erfreut, wenn sie feststelle, dass die geerbten Möbel aus der Feder von Dieter Waeckerlin stammten, erzählt Galerie-Mitbesitzerin Nadine Okay-Erismann.

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