Lantals Webmaschine für Plüsch-Sitzbezugsstoffe ist die letzte in der Schweiz. Fotos: Markus Frietsch

Textiltour durchs Land

Stoffe für Flugzeugsitze und Eisenbahnen, Rasenteppiche, Vorhänge, die Schall schlucken, und Wände aus Draht. Eine Reise in sechs Stationen durch das Textilland Schweiz.

Wo früher die Webmaschinen ratterten, geniessen heute Gutbetuchte das ruhige Tösstal — diesen Sommer hat der Zürcher Architekt Hannes Strebel die Weberei Hueb in Lofts umgebaut. Sie war die älteste Textilfabrik im Zürcher Oberland. 1971 gab es dort noch 18 Betriebe, die Fäden spannen, zwirnten und woben. Am längsten durchgehalten hat die Weberei Keller in Wald. Dieses Jahr hätte sie das 150-Jahr-Jubiläum feiern sollen. Das Fest wird nie stattfinden, denn Ende September stellte Keller die Produktion von Einrichtungsstoffen ein. Davor wob sie noch über fünfzig Textilien für Création Baumann und lieferte Vorhangstoffe für die Tisca Tiara im Appenzell-Ausserrhoder-Ort Bühler. Albert Gunkel hat die Firma 2001 von der Familie Keller übernommen. Für das Ende macht er die Konkurrenz aus Tieflohnländern, die Finanzkrise und den hohen Frankenkurs verantwortlich. Um den Konkurs zu vermeiden, muss der Patron jetzt die Weberei Stück für Stück verkaufen: Die Lagerbestände, die Gebäude, die auf 6,5 Millionen Franken geschätzt sind, und auch die 14 Maschinen, die er erst 2008 angeschafft hat. Die Weberei Keller war die letzte in dieser einst von Textilfabriken dominierten Landschaft und Gesellschaft.Das Zürcher Oberland ist damit nicht allein. Gab es in der Schweiz einst über 200 000 Arbeitsplätze an den Spindeln und Webstühlen, an Stickmaschinen und Wirkautomaten und in Färbereien und Zwirnereien, so sind es 2011 noch 13 800. Doch wir wollen dem Abgesang ein kräftiges «dennoch und trotzdem» entgegenstellen. Wir unternehmen eine Reise durch die aktuelle textile Schweiz mit Halt an sechs Stationen. Die Industriebrachen im Kanton Glarus und die stillgelegten Webereien im Thurgau lassen wir aus. Dafür besuchen wir fünf Firmen und eine Textildesignerin, die ihre Nasen gut über Wasser halten. Sechs Stationen, die auch als Zulieferer für die Architektur...
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Stoffe für Flugzeugsitze und Eisenbahnen, Rasenteppiche, Vorhänge, die Schall schlucken, und Wände aus Draht. Eine Reise in sechs Stationen durch das Textilland Schweiz.

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