Aufsicht auf die physische Schublade Nummer 12: In der Mitte der rechten Spalte die Fadenspuhlen, der Beitrag des Schweizer Künstlers Samuel Buri. Fotos: Anita Baumann

Stöbern mit dem Bildschirm

Ein Designer und ein Künstler haben Herbert Distels Schubladenmuseum digital verpackt. Eine neue Art, Kunst zu vermitteln.

Zwei Hände ergreifen die dicken schwarzen Griffe auf beiden Seiten des Bildschirms und schieben ihn nach oben. Das Bild auf dem Monitor läuft der Vorderseite eines schmalen Kastens entlang. Durch die kleinen Scheiben an der Front der Schubladen schimmert deren vielfältiger Inhalt. Die Hände lassen los — klack — der Bildschirm schnappt ein. Die Ansicht wechselt, zeigt eine Schublade von oben und gibt den Blick frei auf 25 Miniatur-Kunstwerke in kleinen Fächern. Die Finger berühren den Schirm und das ausgewählte Werk erscheint in Grossaufnahme. Die beschriebene Szene geschieht im Zürcher Kunsthaus. Die Hände und Finger des Besuchers stöbern durch das interaktive Schubladenmuseum. Es übersetzt das Schubladenmuseum von Herbert Distel in die Jetztzeit. Distel versammelte zwischen 1970 und 1977 500 Kleinkunstwerke der Moderne in zwanzig Schubladen eines mannshohen Nähseidenkastens. Das analoge Original und eine digitale Adaption sind zurzeit im Kunsthaus ausgestellt. Die Idee der interaktiven Version entstand 2010 im Rahmen der Restaurierung von Distels Œuvre, finanziert durch die Bank Julius Bär. Zielvorgabe war, die 500 Werke des Originals «klickbar» zu machen. Mit dem Projekt betraut wurde der Medienkünstler Jeremie Maret, der zu diesem Zeitpunkt für die Kunstsammlung der Bank arbeitete. Er suchte einen Designer mit Know-how im Bereich Interaktion und fand ihn in Christian Weber. Der gelernte Industrial Designer war am Aufbau der Studienvertiefung Interaction Design an der Zürcher Hochschule der Künste beteiligt. Ihre Ausgangslage beschreiben die Beiden als «Carte Blanche». Sie erklären damit auch, warum das Projekt weit über die Zielvorgabe der Bank hinausgewachsen ist. ###Media_2### Sich Bücken und Hand anlegen  Das interaktive Museum sollte als geschlossenes System ohne externe Verbindung funktionieren», beschreibt Christian Weber den Desi...
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