William Morris' Wandtapete ‹Pimpernel›, 1876. Museum für Gestaltung Zürich.

Stil gesucht für neue Erfindungen

Im Erweiterungsbau des Zürcher Landesmuseums ist die Ausstellung ‹Auf der Suche nach dem Stil› am falschen Ort. Zeigt sie doch in fünf grossen Kapiteln – von Architektur zu Technik, von Kunst zu Handwerk und Textilien –, was sich in der Gull'schen Architektur niederschlug: die Stil-Besessenheit, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umgetrieben hat.

Im Erweiterungsbau des Zürcher Landesmuseums ist die Ausstellung ‹Auf der Suche nach dem Stil› am falschen Ort. Zeigt sie doch, was sich in der Gull’schen Architektur niedergeschlagen hat: die Stil-Besessenheit, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umgetrieben hat. In fünf grossen Kapiteln – von Architektur zu Technik, von Kunst zu Handwerk und Textilien – wird an ausgewählten Beispielen gezeigt, was diese Suche angetrieben hatte. Doch eine einheitliche Definition, was Stil ist, sucht man vergebens. Wie auch, war doch die Epoche zwischen der ersten Weltausstellung 1851 in London und derjenigen in Paris 1900 herausgefordert wie wohl kaum eine davor: Es galt, den grundstürzenden technischen Erfindungen eine Gestalt zu geben. Eine, die nicht nur nützlich sei, sondern auch schön – und für viele erschwinglich, denn die Logik der industriellen Produktion brauchte den Absatz. Und erreichte damit auch, dass sich die Klassen annäherten, zumindest in ihrem Stilempfinden. Die Formen wurden popularisiert, die einst dem Adel oder dem Grossbürgertum vorbehalten waren. Die Elektrifizierung ab den 1880er-Jahren brachte den Fortschritt in die Häuser und Wohnungen – die Glühbirne, das Bügeleisen, den Aufzug, bald das Telefon. Doch woran sollten sich die Formen orientieren? An den Vorgängern wie der Kutsche, die Pate für den dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen stand, der 1886 seine erste Ausfahrt hatte? An der Kerzenflamme, wie für die Glühbirne? Das Handwerk bot den Arts-&-Crafts-Apologeten auch formale Orientierung. Und die Stilvielfalt, aus früheren Epochen und fernen Kulturen destilliert, setzt die Moderne ins Unrecht. Denn sie zeigt, dass die Form nicht nur aus der Ratio der Maschine destilliert werden muss, wie es die Funktionalisten behaupten sollten. Gebrauchsfähig war vieles, was in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts produziert wurde. Nur noch nic...
Stil gesucht für neue Erfindungen

Im Erweiterungsbau des Zürcher Landesmuseums ist die Ausstellung ‹Auf der Suche nach dem Stil› am falschen Ort. Zeigt sie doch in fünf grossen Kapiteln – von Architektur zu Technik, von Kunst zu Handwerk und Textilien –, was sich in der Gull'schen Architektur niederschlug: die Stil-Besessenheit, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts umgetrieben hat.

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