Schön, schöner, am schönsten

Kaum ein Attribut wird 
in der Designkritik so 
selten benutzt wie schön. Schade eigentlich.

Die Frage, ob Design schön sei, erwischt die meisten Designkritiker auf dem falschen Fuss. Adjektive wie minimalistisch, elegant, funktional, formal überzeugend, zeitgeistig oder zeitlos sind geläufig. Aber schön? Einfach nur schön? Ein «Designersofa» oder eine «Designerleuchte» sei schön, setzen Marketingleute voraus und meinen damit meist formschön. Nicht interesselos — gilt doch: «Hässlichkeit verkauft sich schlecht.» Dieser Ausspruch wird Raymond Loewy 
zugeschrieben, dem Begründer des amerikanischen Industrial Designs. Genau genommen handelt es sich dabei um die sehr freie deutsche Übersetzung seiner Autobiografie, die 1951 unter dem Titel «Never leave well enough alone» (etwa: «Gut genug reicht nicht») herauskam, was wenig mit der Frage nach dem Schönen oder dessen Gegenteil zu tun hat.Das ist symptomatisch. Nicht nur die Designer selbst, auch die Designkritik ist von Berufs wegen misstrauisch bei dieser Zuschreibung. Diese Vorsicht hat Tradition. In den angewandten Künsten steht Schönheit nie allein, stets wird sie von ihrer Schwester, der Funktion begleitet: Das Schöne glänze nicht für sich, sondern hänge dem Gebrauchsgegenstand allenfalls an — als pulchritudo adhaerens, wie Immanuel Kant definierte, als Ornament, wie Adolf Loos schimpfte. Die Zweckbestimmtheit unterscheidet Designobjekte von Kunstwerken, die zwecklos schön sind — wenn sie es denn sind.In Serie Entworfen Was wir unter dem Begriff Design verhandeln, sind Objekte, Werkzeuge und Maschinen, aber auch Dienstleistungen, Prozesse und Zeichen im realen und virtuellen Raum. Sie wurden auf ihre serielle Vervielfältigung hin entworfen. Design als Tätigkeit entwickelte sich bekanntlich, als die Produktionsprozesse soweit rationalisiert waren, dass Entwürfe für die manufakturielle, bald industrielle Herstellung grosser Stückzahlen benötigt wurden. Damit entstand eine ...
Schön, schöner, am schönsten

Kaum ein Attribut wird 
in der Designkritik so 
selten benutzt wie schön. Schade eigentlich.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?