Weisbrod-Zürrer in Hausen am Albis hat vor zwei Jahren als letzter Schweizer Seidenweber die Produktion eingestellt. Das Archiv der Krawattenstoffabteilung reicht zurück bis etwa 1930. Fotos: Fabian Unternährer

Schatzkisten

Die sterbende Schweizer Textilindustrie ruht auf reichen Material- und Mustersammlungen. Sie sind Zeugen der Designgeschichte und müssen erhalten werden.

Es riecht staubig nach Holz und Papier. In einer Scheune in Hausen am Albis lagern auf Ballen gerollt 60 000 Quadratmeter Seide. In kleineren Räumen liegen die passenden Muster dazu. Schnipsel und Bändel, in Schachteln abgelegt, in Musterbücher eingeklebt oder als Liassen, als Laschen an Bügeln hängend. «Ich schätze unsere Sammlung auf etwa 100 000 Dessins – für Krawatten- und Modestoffe», sagt Ronald Weisbrod, einst Patron der Firma Weisbrod-Zürrer. Nach vier Generationen hat das Unternehmen vor zwei Jahren die Maschinen ab- und damit als einer der letzten Schweizer Seidenweber die Produktion eingestellt. Was aber passiert mit all den Materialien, diesen Zeugen der Schweizer Textil- und damit Designgeschichte? Die Zürcherische Seidenindustrie-Gesellschaft, einst der Wirtschaftsverband der produzierenden Industrie, will das Wissen rund um die Seide erhalten. So hat sie mit dem Schweizerischen Nationalmuseum vertraglich geregelt, wie die Nachlässe gesichtet und in den Textilbestand des Museums überführt werden. 2007 und 2011 fanden so die Archive der Firmen Abraham und Robert Schwarzenbach den Weg ins Museum, 2012 kam das Krawattenarchiv der Firma Gessner hinzu. Und aktuell nun ein Teil der Sammlung von Weisbrod-Zürrer, zu der auch die Archive der Firmen Emar, Schubiger und Fierz gehören, die Weisbrod einst übernommen hat.Mit Stickstoff gegen Schädlingsbefall202 Stoffe, 1460 Liassen, 49 Musterbücher, 880 gefüllte Musterschachteln, 5800 Entwurfszeichnungen und 18 Farbkartensysteme hat das Museum auf elf Paletten von Hausen am Albis ins Sammlungszentrum nach Affoltern gezügelt. «Wir rechnen mit 6900 Arbeitsstunden, um diesen Bestand aufzuarbeiten», sagt Christina Sonderegger, Kuratorin des Schweizerischen Nationalmuseums. Kostenpunkt: geschätzte 800 000 Franken. Gut 400 000 Franken sind Gelder aus dem Zürcher Lotteriefonds, den Rest erbringt das Museum in Eigenlei...
Schatzkisten

Die sterbende Schweizer Textilindustrie ruht auf reichen Material- und Mustersammlungen. Sie sind Zeugen der Designgeschichte und müssen erhalten werden.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?