Im Kern jedes Skis steckt noch immer eine Latte aus exotischem Holz. FSC-zertifiziert ist sie nur bei Earlybird-Skis.

Ökologische Skis? Fehlanzeige. Fast jedenfalls.

Zum Auftakt der Skisaison hat Mountain Wilderness Bestandteile und Produktion von Skis untersucht. Fazit: Die Branche verdrängt das Thema Ökologie. Mit einer Ausnahme.

 

Bis heute steckt eine Holzlatte im Kern jedes Skis. Häufig ist es Balsa, Karuba oder Paulownia, ein exotisches Holz also. Darum herum kommen Fasern, Kunststoffe und Stahl und schliesslich bei jedem gut gepflegten Ski regelmässig Wachs. Die Organisation Mountain Wilderness hat in einer crowdfinanzierten Recherche die Ökobilanz all dieser Teile und der Skiproduktion im Ganzen untersucht.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Branche verdrängt das Thema Ökologie weitgehend. Mountain Wilderness verschickte Fragebögen an 21 Firmen und auch auf mehrfaches Nachfragen antworteten nur sechs. 15 Firmen machen keine Angaben zu ihrer Ökobilanz.

Bei den sechs, die geantwortet haben, handelt es sich um europäische Marken wie Dynafit, Kästle oder Rossignol. Sie geben Informationen zur Herkunft und Zusammensetzung der Bestandteile bekannt, zur Verpackung, zum Transport und zur Art des verwendeten Stroms. Fünf von sechs verwenden laut eigenen Angaben zertifiziertes Holz, bei den anderen Materialien sind sie grösstenteils konventionell unterwegs ohne ökologischen Anspruch.

Die Ökologie als Gewissen und als Markt entdeckt hat bisher nur eine Firma: Das Schweizer Label Earlybird Ski versucht seine Ökobilanz laufend zu verbessern. Der junge Berner Hanno Schwab stellt Touren- und Freerideskis her. Das Holz für Kern und Seitenwangen ist FSC-zertifiziert, die Harze, Fasern und Wachse basieren mehrheitlich auf biologischen Stoffen, die Kanten bestehen immerhin zur Hälfte aus rezykliertem Stahl, den Ski zusammen halten Epoxydharze, die sich am Ende der Gebrauchsdauer lösen lassen, sodass Bestandteile rezykliert werden können. Den Hauptunterschied in der Umweltbelastung macht aber der Stromverbrauch aus: Die Produktion in zwei Unternehmen in Tschechien und Italien läuft mit Ökostrom. «Die Verwendung eines ökologischen statt eines Standard-Strommixes führt zu einer Reduktion der Gesamt-Umweltbelastung von 47 Prozent», schreibt Mountain Wilderness.

Labels und Standards wie die Textilindustrie? Die Skibranche kennt sie noch kaum. Höchste Zeit, dass die Branche das nachholt – und dass die Käuferinnen und Käufer es einfordern. Was Mountain Wilderness jedoch auch klarstellt: Der ökologischste Ski ist für die Katz, wenn die Tourengeherin und der Pistencrack mit dem Auto in die Berge kurven.

Artikel aktualisiert.

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