Das Logo des Niggli Verlags von Karl Gerstner.

Nina Paim verbindet Grafik und Geschichte

Der Kanton St. Gallen unterstützt die Grafikerin Nina Paim mit einem Werkbeitrag. Sie untersucht die Geschichte des Niggli Verlags und verknüpft so Grafik und Historiographie.

Die Grafikerin untersucht die publizistischen Strategien des 1956 in Teufen gegründeten Verlags Arthur Niggli, dessen Wirken in Kunst, Grafik und Gestaltung international Beachtung fand.Mit ihrem Buchprojekt arbeitet Nina Paim die weitgehend unerforschte Verlagsgeschichte von 1944 bis 1988 auf. Dabei geht es auch darum herauszufinden, was am Beispiel Niggli heute zu lernen ist. Methodisch kann sie auf ihre Masterarbeit zurückgreifen, die sie an der Hochschule der Künste Bern eingereicht hat. Sie untersuchte die Veröffentlichungen des Verlags, erfasste Primär- und Sekundärquellen und führte Interviews mit Zeitzeugen und Expertinnen. Nun will sie die Analysen verteifen und weitere Gespräche führen. Den Werkbeitrag, der in der Kategorie Angewandte Kunst gesprochen wurde, setzt sie für ein publizierfähiges Manuskript ein. Bereits jetzt ist klar, dass es  im Verlag Triest (St. Gallen und Zürich) veröffentlicht werden soll – in Englisch und zwei weiteren Sprachen um so der internationalen Reichweite des Themas zu entsprechen.

Auf Letzteres deutet auch die Entstehungsgeschichte des Projekts: Nina Paim kam nämlich als Designstudentin in Brasilien erstmals mit Niggli in Berührung. Mit dem Projekt verfolgt sie ein doppeltes Interesse: am Verlag als einem wichtigen Akteur für die Historiographie des Grafikdesigns sowie an dessen Vorbildrolle für das aktuelle Editorial Design. Nina Paim erkundet als Designerin die Geschichte der eigenen Disziplin – das ist lobens- und unterstützenswert. Denn das Projekt antwortet so auf ein zentrales Desiderat der (in der Schweiz akademisch nicht institutionalisierten) Designgeschichte: Designerinnen und Designer wollen und sollen sich die Geschichte der eigenen Disziplin produktiv anverwandeln.

Dass dieser Beitrag in der Höhe von 30'000 Franken in der Kategorie Angewandte Gestaltung ausgesprochen wurde, freut besonders. Denn neu richtet der Kanton St. Gallen zum ersten Mal auch Werkbeiträge im Bereich «Geschichte und Gedächtnis» für Recherchen zu historischen, kulturwissenschaftlichen sowie aktuell relevanten Themen aus. Trotzdem folgten die Jurymitglieder der Argumentation, wonach Designerinnen und Designer, die sich mit der Geschichte ihrer Disziplin befassen, einen eigenständigen, gestalterisch wie historiografisch fruchtbaren Beitrag liefern.

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