«Mirror Maze», eine Installation von Es Devlin, Copeland Park, London.

«Niemand hat die Wahl, nichtwissend zu sein»

Die Londoner Bühnenbildnerin Es Devlin spricht über die Kraft der Illusion und das Gestalten von Gefühlen. Und sie sagt, warum Designer nicht neutral bleiben dürfen.

Die Künstlerin und Bühnenbildnerin Es Devlin war Gast der Engadin Art Talks (EAT) 2022. Das zweitägige Symposium fand Ende Januar unter dem Motto «Matter und Memory» in Zuoz statt. Es wurde live gestreamt, was angesichts der exorbitanten Teilnahmegebühren zu begrüssen ist. In ihrem Vortrag gab Devlin Einblick in ihre transdisziplinäre Praxis. Sie ist bekannt für ihre gross angelegten Installationen und Bühnendesigns, die Musik, Sprache und Licht miteinander verbinden. 2021 war sie künstlerische Leiterin der London Design Biennale.  Sie haben Literatur studiert. Wie beeinflusst die Auseinandersetzung mit Sprache ihr Schaffen? Als Folge der Ausweitung des industriell-kolonialen Projektes gab es in England eine starke Migration. Was ich besonders schätze an der Zeit, in der ich aufwuchs, ist die kulturelle Diversität dieses Landes. Die daraus resultierende Empathie gegenüber Andersartigkeit hat ihre Wurzeln auch in Shakespeares Sprache. Dieser war verliebt in Sprache, er verschlang sie förmlich – wie etwas, auf dem man kaut. Und auch das Publikum war hingerissen von diesem Sprachspiel. Vielleicht ähnlich, wie heute Rapper mit ihrer Coolness faszinieren. Und was hat das mit Ihrer Arbeit zu tun? Es geht mir ganz wesentlich um das «Andere» (otherness) und zwar in mehrfacher Hinsicht: etwa um Biodiversität oder um sprachliche und ethnische Diversität. Eine zentrale Frage ist für mich, wie wir fürsorglich sein können gegenüber Menschen und Lebensformen, die anders sind als wir. Das wichtigste Werkzeug, mit dem Sie arbeiten, ist immateriell: Es geht um Emotionen. Sie schaffen mit ihren Bühnenbildern immersive Erfahrungen, welche die Zuschauerinnen verzaubern sollen. Man könnte sagen, Sie gestalten Gefühle. Sehen Sie das auch so? Ich frage mich immer wieder, warum Menschen die Vorstellungskraft entwickelten. Wann begannen sie, sich Geschichten zu erzählen? ...
«Niemand hat die Wahl, nichtwissend zu sein»

Die Londoner Bühnenbildnerin Es Devlin spricht über die Kraft der Illusion und das Gestalten von Gefühlen. Und sie sagt, warum Designer nicht neutral bleiben dürfen.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?