Kollaboration statt Konkurrenz

Unternehmerinnen und Akteure der Branche Arbeitsbekleidung suchten in Luzern nach neuen Wegen, die hin zur Kreislaufwirtschaft führen.

Wie wird die Branche Arbeitsbekleidung kreislauffähig? Um dieser Frage im Rahmen eines Workshops nachzugehen, trafen sich Vertreterinnen der zirkulären Textilbranche und Akteure der Schweizer Arbeitsbekleidung mit Wissenschaftlerinnen in Luzern. Eingeladen hatte das Projekt Einkaufskompass.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Nachfrage nach zirkulären Produkten und Angeboten in der Schweiz zu steigern. Für Projektleiter Jan Maisenbacher war der Workshop Zwischenstation zwischen einer aktuellen Vorstudie der Hochschule Luzern (HSLU) und künftigen Innovationsprojekten, darunter ein mögliches InnoSuisse-Projekt. 

Konkurrenten an einem Tisch
Eine kurze Vorstellungsrunde der rund zwanzig Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Organisationen zeigte: Die Themen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit finden grossen Rückhalt in der Branche. Sonst im Wettbewerb stehend, kamen die Unternehmer und Akteurinnen kollaborativ und offen zusammen. Der gemeinsame Nenner? Die Zeit drängt, das Thema Nachhaltigkeit verlangt vollen Einsatz. Die anwesenden Unternehmen haben die Chance erkannt, durch Investitionen in die Kreislaufwirtschaft als Vorreiter vorangehen zu können. 

Warum es schnelle Lösungen braucht, zeigt eine Präsentation der HSLU: Bis 2030 muss die Textilbranche ihre CO2-Emissionen um knapp fünfzig Prozent senken, um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen. Für Tina Tomovic von der HSLU ist klar, dass es ohne Kreislaufwirtschaft nicht gehen wird. «Es geht manchmal vergessen, aber das Ziel der Kreislaufwirtschaft ist recht simpel und dabei höchst effizient: Produkte sowie Materialien werden im Kreislauf gehalten und müssen dadurch nicht neu produziert werden.» 

Die Vorstudie der HSLU zeigte, dass sich viele Unternehmen vor allem um Qualität und Kosten sorgen. Können recycelte Fäden die Qualitätsansprüche der Kundschaft tatsächlich erfüllen? Müssen Unternehmen Abstriche beim Design von Arbeitskleidern machen, wenn sie sich für wiederwertbares Material entscheiden?

Von der Theorie in die Praxis
Fabian Takacs hatte die Aufgabe, die gehörte Theorie in die Praxis zu überführen. Wie gelingt der Branche die Umstellung auf kreislauffähige Produkte und Angebote? Takacs beschäftigt sich im Rahmen seiner Dissertation an der Universität St. Gallen mit zirkulären Ökosystemen und Geschäftsmodellen. 

Für einen erfolgreichen Wechsel in die Kreislaufwirtschaft bräuchten Unternehmen ein zirkuläres Ökosystem, erklärte er, das über die eigenen Unternehmensgrenzen hinausginge. Nur Kollaboration und eine gemeinsame Vision führten zu effektiver Nachhaltigkeit. «Das Problem ist riesig. Daher müssen wir gross denken und uns nicht in Details verstricken», warf Takacs motivierend in die Runde. Mit sogenannten Pattern-Cards ermutigte er die Workshop-Teilnehmenden, ausserhalb ihrer Unternehmensgrenzen zu denken. 

Nach zwei Stunden Ping-Pong in Kleingruppen war klar: Ein zirkuläres Ökosystem zu orchestrieren, ist alles andere als einfach – geschweige denn, ein gemeinsames Leuchtturmprojekt zu definieren. «Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt der Branche für einen echten Wandel ist, aber auch, wie fest wir in unserem linearen Denken stecken», so das Fazit einer Teilnehmerin. Maisenbacher vom Einkaufskompass ist dennoch optimistisch, bald ein Leuchtturmprojekt zu finden. «Die Branchvertrerinnen haben eine gemeinsame Vision: die zirkuläre Arbeitsbekleidung. Jetzt geht es ans Machen. Die Branche ist bereit.»

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