Die Schönheit des Verfahrens: Rapid Liquid Printing

In Gel gedruckt

Christophe Guberan hat für das Projekt ‹Rapid Liquid Printing› einen Swiss Design Award erhalten – dafür, dass er in der Rolle des Designers aus generativen Verfahren eigenständige Formen entwickelt.

Christophe Guberan will generative Verfahren beherrschen und nutzen. Der Designer hat für das Projekt ‹Rapid Liquid Printing› einen Swiss Design Award erhalten – und dafür, dass er in der Rolle des Designers aus generativen Verfahren eigenständige Formen entwickelt. In der aktuellen Nummer des Hochparterre berichtet er über seinen Weg, der ihn von der Bachelor-Arbeit an der ECAL an das MIT Assembly Lab in Boston führte. Halbjährlich unterrichtet er dort als Visiting Product Designer angehende Architektinnen und Architekten, wie sie Forschung in Produkte übersetzen. In Lausanne betreibt er sein Designbüro. Sein Thema – aktive Materialien, die mit Hilfe einer Energiequelle selbstätig in Form kommen, Self-Assembly und Druckverfahren – fand er bereits mit seiner Bachelor-Arbeit. Hydro-Fold hiess das Projekt, das ihm den Weg nach Boston öffnete. Feuchtigkeit verformt Papier – diese alltägliche Beobachtung wollte er nutzen. Statt dafür erst eine kompliziertere Maschine bauen als diejenige, die ihm zur Verfügung stand, nutzte er seinen Desktop-Drucker, ersetzte die Tinte, füllte die Kartuschen mit einem Gemisch aus destilliertem Wasser und Pigmenten und begann zu experimentieren. Schritt für Schritt lernte er, wie er die entstehende Form über das gedruckte Muster kontrollieren konnte.
 

In der Schwerelosigkeit drucken

Der 3-D-Druck verspricht eine individualisierte, vor Ort und ohne teure Werkzeuge mögliche Herstellung. Doch generativen Fertigungsverfahren haben Nachteile: Der Drucker schränkt die Grösse des Werkstücks ein. Die schichtweise Herstellung verringert die Stabilität und braucht viel Zeit; die Werkstücke müssen aushärten, die Stützstrukturen müssen entfernt und die Oberflächen meist nachbearbeitet werden. Was für die Prototypenherstellung oder kleinere Losgrössen bis etwa 1000 Stück Sinn macht, scheitert in der grossen Serie. Auch deshalb sind generative Verfahren in der Industrie nur teilweise angekommen. 

Herausgehoben, gereinigt, verkauft

Das Projekt ‹Rapid Liquid Printing› reagiert darauf: Gedruckt wird in einem Gel, der Stützstrukturen überflüssig macht. Das Zweikomponenten-Material wird extrudiert und härtet chemisch aus. Ein Roboter steuert die Düse durch den Gel. Der Prozess ist schneller als der schichtweise aufgebaute 3-D-Druck. Einzig der Tank und der Bewegungsradius des Roboters grenzt die Grösse des Werkstücks ein.
Auf Einladung der Patrick Parrish Gallery, unterstützt von Swissnex Boston und Präsenz Schweiz präsentierte Christophe Guberan an der Design Miami 2017 eine futuristisch wirkende Produktionsanlage. Im weissen Galerieraum stand der Gel in einem Glastank auf einem Sockel, ein Industrieroboter tauchte darin ein und zog Linien aus Kunststoff. Nach ein paar Minuten lag eine Einkaufstasche bereit. Herausgehoben und gereinigt wurde sie zum Verkauf angeboten.
In der Galerie präsentiert, wirkte die Herstellung besonders zeichenhaft. Das sieht auch Christophe Guberan so: «Das Verfahren regt dazu an, Herstellung als künstlerische Erfahrung zu erleben – uneingeschränkt durch Grösse oder Schwerkraft. Das reine Potenzial.» 

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