Andrea Trimarchi und Simone Farresin sind gemeinsam das Mailänder Designstudio Formafantasma, Foto: Renée de Groot

«Im Design herrscht eine riesige ethische Leere»

Das Designerduo Formafantasma setzt sich mit der ökologischen Verantwortung seiner Disziplin auseinander. Ein Gespräch über Macht, Kompromisse und Geo-Design. Und ein Versuch, in die Zukunft zu blicken.

Andrea Trimarchi und Simone Farresin gründeten Formafantasma im Jahr 2009. Das Mailänder Designstudio gestaltet Räume und Ausstellungen, entwickelt Produkte und berät Unternehmen. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Erforschung ökologischer, historischer, politischer und sozialer Kräfte, die die heutige Designdisziplin prägen. Dies ist auch Thema des 2020 gegründeten Masterstudiengangs Geo–Design, den das Duo an der Design Academy Eindhoven leitet. Wir trafen Andrea Trimarchi in der Ausstellung «Cambio». Formafantasma hat sie für die Serpentine Gallery in London entwickelt, derzeit ist sie im Museum für Gestaltung in Zürich zu sehen. Was bedeutet Geodesign genau? Andrea Trimarchi: Der Begriff ist ziemlich neu. Verstehen lässt er sich im wörtlichen Sinn: Es geht darum zu verstehen, welche geopolitischen Verflechtungen das Design heute prägen. Wir analysieren die Probleme, die mit der Disziplin zusammenhängen.  Sie sprechen die ökologischen Auswirkungen ihrer Disziplin an. Warum braucht es einen neuen Studiengang, hätten Sie das Thema nicht in bestehende Ausbildungen integrieren können? In vielen Kursen wird heute über Ökologie gesprochen, und die Studierenden fordern dies auch ein. Dennoch gab es in der Design Academy Eindhoven keine Abteilung, die sich spezifisch damit auseinandersetzte. Simone und ich unterrichteten beide schon vorher an der DAE und sahen, dass eine verbindende Plattform fehlte, welche die diskursiven Möglichkeiten von Design und Ökologie erforscht. Als wir das Angebot erhielten, einen Studiengang aufzubauen, sagten wir deshalb zu. Es war der richtige Moment dafür. Sie sagten einmal, Designer könnten entscheidende Akteure im globalen System sein – wenn sie ihre Fähigkeiten und Perspektiven über selbstreferenzielle, isolierte Prozesse hinaus erweiterten. Tun Designer dies Ihrer Meinung nach bereits? Ja, einige vers...
«Im Design herrscht eine riesige ethische Leere»

Das Designerduo Formafantasma setzt sich mit der ökologischen Verantwortung seiner Disziplin auseinander. Ein Gespräch über Macht, Kompromisse und Geo-Design. Und ein Versuch, in die Zukunft zu blicken.

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