«Zuhause bin ich ganz ich», titelt Pfister auf dem Katalog.

Home, Sweet Home

Nach der Sommerpause flattern die Kataloge der Möbelhändler ins Haus. Auch wer keine Absicht hat, ein neues Sofa zu kaufen, wird zum Blättern verführt. Unweigerlich. Eine Blütenlese.

Nach der Sommerpause flattern die Kataloge der Möbelhändler ins Haus. Auch wer keine Absicht hat, ein neues Sofa zu kaufen, wird zum Blättern verführt. Unweigerlich. Und das liegt in den meisten Fällen nicht daran, dass man wirklich ein neues Sofa braucht. Die Verführung liegt auf einer rhetorischen Ebene, und die heisst Identifikation. «Zuhause bin ich ganz ich», titelt Pfister, «Bring neues Leben in dein Zuhause» meinen die Schweden, und der Micasa-Chef tritt persönlich auf und plaudert aus seinem Familienleben. Dass Einrichtungskataloge ins vermeintlich Private ausgreifen, liegt am Gegenstand. Aber wie sieht dieses Private aus? Es breitet sich auf viel, auf sehr viel Papier aus. Unter 180 geht nichts. Wer als Möbelhänder etwas auf sich hält füllt mindestens 200 Seiten. Die sind beliebig erweiterbar: Den Schritt in die digitale Welt hat Ikea gemacht. Man kann das Katalog-App herunterladen, mit dem Smartphone über die Seite fahren, und schon findet man ganz viele neue Bilder. Viel, und viel Inszeniertes: Keines der drei Möbelunternehmen verzichtet auf Bilder, als wären sie einem realen Haushalt entnommen. Was sich längst durchgesetzt hat, sind Aufnahmen, wie sie Vitra 2004 mit dem Katalog für die damals lancierte Home Collection oder die spanische Zeitschrift apartemento seit 2009 zelebriert: Wohnsituationen einer kundig-kennerschaftlichen Bewohnerschaft, die Entwürfe des Herstellers mit privaten Sammlerstücken und durchgesessenen Designklassikern verbindet. Ja, sogar im Micasa-Katalog finden sich inzwischen solche Inszenierungen. Dumm nur, wenn sich, wie bei Pfister, die Stehleuchte Arco von Achille Castiglioni in der zweiten Aufnahme als billige Kopie (495.-) entpuppt. Sowieso Zeitschrift: Micasa stellt wie Pfister ein Editorial voran. Ikea spricht die Leserin direkt an, und alle zeigen sie neben längeren Bildstrecken und Serviceseiten viel Kurzfutter, respektiv...
Home, Sweet Home

Nach der Sommerpause flattern die Kataloge der Möbelhändler ins Haus. Auch wer keine Absicht hat, ein neues Sofa zu kaufen, wird zum Blättern verführt. Unweigerlich. Eine Blütenlese.

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