Hier wird geblieben

Biel hat wenig Tourismus und kaum Geld, dafür viel Platz und eine lebendige Kulturszene: Wie Designerinnen und Designer in einer Stadt arbeiten, in der das Unfertige dazugehört.

 

Fotos: Linus Bill

Biel hat wenig Tourismus und kaum Geld, dafür viel Platz und eine lebendige Kulturszene: Wie Designerinnen und Designer in einer Stadt arbeiten, in der das Unfertige dazugehört.

 

Wer von Bern nach Biel fährt, erblickt eine Industrielandschaft vor der steilen Flanke des Jurafusses. Hier stehen die gläsernen Produktionshallen von Rolex, eine Autobahnausfahrt, ein Jumbo und ein Fussballstadion. Verblasste Buchstaben an den Fabrikbauten aus dem letzten Jahrhundert erzählen vom Ende der Maschinenindustrie. Die Kantonsstrasse führt stadteinwärts ins grösste Quartier von Biel, Bözingen. Hier arbeitet Veronica Antonucci. ###Media_17### Vanto: Schmuck aus Schnittresten «Eine Modekollektion in der Schweiz zu produzieren, kostet mindestens 50 000 Franken. Ich bin mit hundert gestartet», sagt die Produktdesignerin. Sie ist ursprünglich Sozialarbeiterin und kam über Umwege zum Design. «Mir fehlte etwas, ich wusste aber nicht, ob es an der Stadt oder an meiner Arbeit lag.» Sie kündigte ihre Stelle in Luzern und zog nach Biel. Eigentlich sollte es nur eine Zwischenstation sein – auf dem Weg nach Berlin. Stattdessen verliebte sich Veronica Antonucci und blieb bis heute. Ihr Label Vanto gründete sie 2018, in einer Phase des Umbruchs: Nach vier Semestern Modedesign an der F + F in Zürich brach sie das Studium ab. Je mehr sie über Mode erfuhr, desto kritischer sah sie die Branche. «Schmuck passt besser zu meinen Prinzipien», sagt sie, «er ist dauerhafter.» Inspiriert von einer Ausstellung über Schweizer Pop-Art-Künstlerinnen begann sie, Ohrringe aus Schnittresten anzufertigen, die bei der Brillenproduktion anfielen. Zugleich begann sie, Schmuck und Accessoires an der HEAD in Genf zu studieren. Mit ihrem Label Vanto lief es derweil rund. Schon bald verkauften sich ihre Ohrringe so gut, dass Antonucci oft bis Mitternacht im Atelier arbeiten musste. 2019 brach sie ihr Studium ab, um ganz auf Vanto zu setzen. Die Designerin investierte in einen Lasercutter, eine Vulkanisierpresse und einen 3-D-Drucker. Dass Biel so nah an der Uhrenindustrie liegt, ist für si...

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