Die neu interpretierten Boccalinos von «Projekt Handwerk».

Hand und Hirn

Handwerk und Design greifen wieder ineinander – eine erfreuliche Entwicklung. Der Begriff «Handwerk» darf aber nicht herabgesetzt werden. Ein Kommentar.

Immer mehr junge Designer berufen sich in ihren Kollektionen auf traditionelles Handwerk, mit Landhand entstand im Voralberg eine Internetplattform, die Kunsthandwerker aus Graubünden, St. Gallen, dem Appenzellerland, Bayern, Vorarlberg und Südtirol zusammenzubringen soll und das Bundesamt für Kultur hat die Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz ausgerufen. Eine erfreuliche Entwicklung.Ein gelungenes Beispiel dafür, wie die beiden Disziplinen zusammenspielen, ist das Projekt Handwerk von Designasyl. Begeistert vom Charme und der Vielfältigkeit althergebrachter Fertigkeiten haben die Designerinnen traditionelle Techniken aufgegriffen, um sie für neue brauchbar zu machen. Dafür haben sie mit einem Weissküfer, einer Keramikerin, einem Glasmacher und mit Handweberinnen zusammengearbeitet. Entstanden sind charmante Produkte, vom neu interpretierten Boccalino zum handgewebten Deko-Kissen.Grösser angelegt ist die Aktion von Hermès: die Luxusmarke präsentieren in der Wanderausstellung Festival des Métiers Seidendrucker, Uhrmacherinnen, Handschuhnäher und Vergolderinnen. Diese zeigen, was Handwerk ist und wie lange die Könnerinnen von Hand an einem Seidenschal, einem Sattel oder einer Uhr arbeiten.Zwar liegt diese Kampagne in der Tradition des Hauses und ist durchaus legitim, doch sie benennt das Problem: Handwerk läuft Gefahr zum PR-Instrument zu verkommen und wie das inflationär verwendete Wort «Design» zu einer Worthülse zu werden – wir schlafen in Designhotels, kleiden uns in Designerstücken und die Kosmetikern an der Ecke betreibt Nail-Design. Erinnern wir uns, dass lange bevor Design ein landläufiges Wort wurde, der Handwerker und der Gestalter einer waren. Und seien wir uns bewusst: Handwerk verlangt einen Kanon von präzisem Wissen und Können, der in jahrelanger Arbeit entsteht. Handwerk ist Ausdruck einer Gesellschaft, die es bei uns schon lang...
Hand und Hirn

Handwerk und Design greifen wieder ineinander – eine erfreuliche Entwicklung. Der Begriff «Handwerk» darf aber nicht herabgesetzt werden. Ein Kommentar.

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