«Il cubo» gibt es in drei Varianten. Foto: Paola Caputo

Gute Laune aus Gummi und Farbe

Kueng Caputo erforschen ungewöhnliche Materialverbindungen. Nun verwandeln sie Teile ihrer Globus-Inszenierung in bunte Teppiche.

 

Über fünfzig Globus-Schaufenster hat das Designerinnen-Duo als farbenfrohe Bühnen inszeniert. Die Bildergeschichte zieht von Genf bis St.Gallen quer durch die Schweiz und beschert aufmerksamen Passanten einen Moment des Staunens. Im Juni werden die Installationen abgebaut. Die Berge aus farbigem Gummigranulat verarbeiten Sarah Kueng und Lovis Caputo anschliessend zu Teppichen.

Sauber nach Farben trennen lässt sich das Granulat während des Absaugens nicht. Die zufällig entstehenden Mischungen nutzen die Designerinnen deshalb als Gestaltungsmittel. So wird jeder Teppich, obwohl seriell produziert, zum Einzelstück. Die Entwürfe «L’onda» und «il cubo» sind Teil der visuellen Geschichte rund um die Linie, die Kueng Caputo in den Schaufenstern zelebrieren: als Welle, die sich aufbläst, zur Fläche wird, in sich zusammenfällt, sich auftürmt und schliesslich explodiert. Ein Fest der Bewegung, der Formen und Farben.

Im Zürcher Schaufenster blähen sich Ballone aus Stoff vor grob gepinselten Linien.

Im Juni saugen Kueng und Caputo das Gummigranulat ab und verarbeiten es zu Teppichen.

Das Duo bespielt Schaufenster in Zürich, Basel, St.Gallen, Bern, Luzern, Lugano, Locarno und Genf.

Synthetischen Kautschuk verwendeten die Designerinnen bereits bei der Entwicklung der Kollektion «Hommage Carpets». Sie nutzten das Material als künstlerische Übersetzung für die raue Faserstruktur der Berberteppiche, denen sie ihre Arbeit widmeten. Während sie das Granulat damals von Hand streuten, giesst es diesmal ein Hersteller direkt in Schablonen. «Die Palette an EPDM-Farben ist limitiert. Das richtige Mischverhältnis für unsere Farbtöne zu finden, war sehr aufwendig», so Sarah Kueng, «an einem handgestreuten Teppich sassen wir bis zu zwei Wochen». Die serielle Produktion der neuen Kollektion gelingt dank einem optimierten Herstellungsprozess – ohne diesen wären die Teppiche unbezahlbar. 

Die zufällig entstehenden Mischverhältnisse lässt die Oberfläche lebendig wirken. Foto: Kueng Caputo

Zufälle plant das Duo in seine Arbeit mit ein. Klingt paradox, macht aber Sinn. Foto: Kueng Caputo

Eine Jutestruktur unter dem Granulat sorgt dafür, dass der Teppich beim Rollen nicht bricht. Foto: Kueng Caputo

Kueng schätzt EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk), weil es robust und wetterbeständig ist und sich gut verarbeiten lässt. Nachhaltig ist das Material aber nicht – zumindest, wenn es sich dabei nicht um recycelte Schaufensterdekoration handelt. An der Entwicklung ökologisch sinnvoller Alternativen tüfteln die Designerinnen seit Jahren. Gemeinsam mit einem Produktionspartner testen sie, wie sich geschredderte Materialien binden lassen. Sind sie zu fettig oder zu staubig, lösen sie sich wieder aus dem Klebstoff heraus. Zuverlässig klappt es bisher nur mit alten Autoreifen – nicht wirklich eine Option für zwei, denen Farbe alles ist. «Mit Abfallmaterialien und Resten aus der Industrie zu arbeiten, braucht viel Zeit und Motivation – auf allen Seiten», sagt Kueng. So bleibt das ideale Material derzeit ein Traum. Einer, den das Duo hartnäckig weiterverfolgt.

«L'onda 01», Foto: Paola Caputo

«L'onda 02», Foto: Paola Caputo

 

 

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