Aus Fehlern lernen: Das Tablett «Drink'Tray» von Martino D'Esposito trägt sich dank eingelassener Fingerbuchten stabiler. (Bild: Drink'Tray édité par Ligne Roset / Design by ECAL/Martino d'Esposito / Photo by ECAL/Anoush Abrar) Fotos: ECAL/Anoush Abrar

Formforum-Wettbewerb 2012: «Error – wer irrt, der findet»

Das Form Forum Schweiz lanciert zwischen 2010 und 2014 drei auf einander abgestimmte Designwettbewerbe. Für die erste Durchführung des designcontests 2010 wählten die Organisatoren das Thema ‹Made for...›. Das Motto für die nächste Ausgabe lautet «Error – wer irrt, der findet». Wir haben Roland Eberle, Vorstandsmitglied und Initiant, drei Fragen gestellt.




Ab heute läuft die Eingabefrist für den Wettbewerb 2012. Was erwartet die Teilnehmer?

Roland Eberle: Ende Januar 2011 präsentieren wir das Wettbewerbsthema «Error» an je einer Abendveranstaltungen in der Deutsch- und der Westschweiz. Ab Mai 2011 bieten wir zudem wieder begleitende Workshops an, zu Ideenfindung oder Materialisation. Nachdem die Teilnehmer ihre Dossiers im April 2012 schliesslich eingereicht haben, werden sie von einer unabhängige Fachjury beurteilt. Die besten Beiträge zum Thema werden im Juni in der Kornschütte Luzern ausgestellt, und die Jury kürt daraus drei Gewinner – auch dieses Mal steht wieder eine Preissumme von 15 000 Franken zur Verfügung.

Welche Art von Eingaben erwarten Sie?
Ein Wettbewerb unter dem Titel «Error» sucht nicht das versandfertige, produktions- und patentreife Produkt, sondern auch konkrete Beispiele für eine gelungene Fragestellung und problemlösungsorientierte Suche. Es steht im Vordergrund, sich mit der Konsum-, Produkt- und Objektwelt, und auch fehlerhaften Entwicklungen als Quelle zur Fehlersuche auseinanderzusetzen. Das Ziel ist zudem, sich mit gestalterischen Prozessen zu beschäftigen die nicht abgeschlossen, aber nachvollziehbar und dokumentiert sind.                    

Was, wenn jemand den Titel «Error» negativ deutet?
Ob ein Begriff als positiv oder negativ empfunden wird, hängt von den eigenen Erfahrungen ab. Beispielhaft war dies bei den Reaktionen des Form Forum Vorstands zum Titel «Error» des Designcontests 2012 zu erleben. Alle Mitglieder reagierten zu Beginn mit Gegenvorschlägen auf den Titel «error», den ich zusammen mit Christoph Zellweger gewählt hatte. Ob «Not Perfect» oder «Manko» nicht passender wäre, fragten Mitglieder per Mail. «Der Titel wird als zu negativ empfunden», fasste unsere Geschäftsführerin die allgemeinen Reaktionen zusammen. Darauf erklärte ich: 'error' engl. 'erreur' franz. und 'errore' ital. erklären einen Sachverhalt. Nämlich den des Fehlermachens. Der Begriff «Error» ist nicht Endstation, sondern eine Ausgangslage etwas aus einem anderen Blickwinkel heraus in Angriff zu nehmen – wir wollen ja aus Fehlern lernen. Nach diesen Ausführungen begann der Widerstand zu bröckeln. Der Vorstand hat aus dem Fehler gelernt, einen im ersten Augenblick als negativ empfunden Begriff in einem zweiten Anlauf als Chance zu verstehen. Und so ähnlich wird es wohl auch dem einen oder anderen Wettbewerbsteilnehmer ergehen.

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