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Franziska Lack vor ihrer Boutique an der Kramgasse in Bern.
Franziska Lack vor ihrer Boutique an der Kramgasse in Bern.

Design

Mode fair handeln

Text: Lilia Glanzmann / 2.08.2016 11:45

Kleider sind die letzten Jahre zu einem Wegwerfprodukt verkommen – statt vier Kollektionen jährlich kommen mittlerweile wöchentlich neue Kleider zu Tiefstpreisen in die Läden. Sich ganz bewusst vor Augen zu führen, wie Mensch und Natur, die hinter den Preisen stecken, ausgebeutet werden, ist erschreckend. Ebenso erschreckend ist es, wie wir diese Tatsache verdrängen. Wer würde schon ein T-Shirt kaufen, wenn er wüsste, dass die Näherin des T-Shirts in den Trümmern einer eingestürzten Fabrik gestorben ist?


Bereits seit zwanzig Jahren setzt Franziska Lack solchen Zuständen etwas entgegen. In ihrem Geschäft «ideale Fair Trade» an der Kramgasse 9 in Bern verkauft sie faire Mode aus Seide. Am Anfang ihres Projekts standen drei zufällige Begegnungen: Während einer Fernost-Reise lernte sie Herrn Le kennen, einen Schneider aus Hanoi, bei dem sie Kleider nähen liess, weiter Suvana, eine alte Thailänderin, die ihr die Weberei und die Liebe zu Stoffen näher brachte und schliesslich den amerikanische Modedesigner Ephraim, «Efi», wie sie ihn liebevoll nennt. Er war als Aussteiger nach Laos gekommen, wo sie ihn 1995 beim Besuch einer von der UNO unterstützten Baumwollfabrik kennen lernte.


Dieses Team, das über die Jahre gewachsen ist, macht «ideale» möglich. Franziska Lacks Geschäftsmodell beruht auf drei Pfeilern: Sie will faire Arbeitsplätze für Einheimische schaffen. Deren Manufakturen sollen möglichst ökologisch geführt werden. Und drittens möchte sie Kultur bewahren und fördern. Das gelingt ihr, indem ihre Kollektionen immer die ganze lokale Wertschöpfungskette umfassen, vom Seidenanbau bis zum fertigen Kleid. So stammt sämtliches Zubehör wie Fäden, Knöpfe und Reisverschlüsse aus lokaler Produktion. Wodurch wiederum die ganze Wertvermehrung vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt im Land  bleibt – normalerweise sind in Vietnam nur zehn Prozent üblich.


Die Entwürfe entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Designer, passt asiatische Muster dem schweizerischen Geschmack an. Einmal bereichern raffinierte Schnitte das Sortiment, dann wieder kontrastreiche Farbkombinationen oder unerwartete Materialmixe. Zu finden sind die unterschiedlichsten Verarbeitungsstufen von Roh-, Knitter-, Taft-, Jacquard- bis hin zur Satinseide. Nebst dem edlen Look hat das Material einen weiteren Vorteil: Seide ist zeitlos. Und schliesslich ist das fairste Kleidungsstück jenes, das ein Leben lang getragen wird.


Seit 2010 ist «ideale Fair Trade» Mitglied des Verbandes «Swiss Fair Trade». Denn nebst der eigenen Kollektion vertreibt Franziska Lack auch andere Produkte, die ihren Standards gerecht werden. Das Neuste sind Schals aus gewaltfreier Seide, die auch von Veganern getragen werden können. Das Deutsche Label «cocccon» hat sie in einem Workshop an den Fair Fashion Days an der Universität Konstanz kennengelernt. Damit der Seidenfaden nicht durch die schlüpfende Raupe unterbrochen wird, werden Kokons üblicherweise mitsamt dem Tier in kochendes Wasser gegeben. Der Modedesigner Chandra Prakash Jha hat sich überlegt, wie sich der Seidenfaden erhalten lässt, sich die Raupe im Kokon aber dennoch zu einem Schmetterling entwickeln kann. So hat er ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem indische Frauen in Handarbeit jeder Raupe ein Schlupfloch ritzen und die Kokons ruhen lassen, bis die Schmetterlinge geschlüpft sind.


Wer sich das gesamte «ideale»-Sortiment vor Ort in Bern ansehen möchte, kann das jetzt tun: Die Sommer-Boutique an der Kramgasse ist noch bis Ende August geöffnet.


Der Artikel «Fair ist gut, Kontrolle ist besser» in der August-Ausgabe von Hochparterre zeigt anhand von drei Beispielen auf, wie schwierig es ist, die textile Wertschöpfungskette komplett zu kontrollieren.

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