Ein Designer spricht über Misserfolg: Colin Schaelli an seinem neuen Arbeitsort in Chur. Fotos: Florian Kalotay

«Es ging zu schnell»

Anerkennung schützt vor Misserfolgen nicht. Das erfährt der 33-jährige, mit wichtigen Designpreisen ausgezeichnete Colin Schaelli. Im Interview mit Meret Ernst spricht er offen über Risiken und Nebenwirkungen des selbstständigen Unternehmertums, die ihn an den Rand seiner Kräfte brachten.


Sind Designer Unternehmer und welches Geschäftsmodell taugt für sie am besten? Colin Schaelli berichtet über seine guten und schlechten Erfahrungen der letzten zwei Jahre.Anerkennung schützt vor Misserfolgen nicht. Das erfährt der 33-jährige, mit wichtigen Designpreisen ausgezeichnete Colin Schaelli. Offen spricht er über Risiken und Nebenwirkungen des selbstständigen Unternehmertums, die ihn an den Rand seiner Kräfte brachten.
Letzten Frühling haben Sie eine E-Mail verschickt, 
deren Botschaft dringlich klang. Sie suchten einen Job, Aufträge. Was ist passiert?
Colin Schaelli: Seit Langem arbeite ich sowohl in der Schweiz wie auch in Japan. Zum ersten Mal stand ich vor dem Problem, dass ich offene Debitoren aus Japan hatte. Sie stammen aus einem Projekt, das auf fünf Jahre budgetiert war. Dafür ging ich für über 30 000 Franken in Vorleistung.
Worum ging es bei diesem Auftrag?
Für einen Elektronikhersteller habe ich ein halbkugelförmiges MP3-Gerät entworfen. Es basiert auf einem neuen Softwarekonzept des Herstellers. Das Gerät ist mit einem runden Bildschirm konzipiert, der auch in Bewegung, etwa beim Tanzen, stets im Lot bleibt – wie eine Wasserwaage.
Wurde das Projekt abgesagt?
Nein, offiziell noch nicht. Das Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die erste Tranche des gesprochenen Budgets stellte ich in Rechnung. Ich konzipierte, arbeitete vor Ort, organisierte einen Workshop. Leider ist bis heute keine Zahlung eingegangen – und zurzeit kann ich mir kein japanisches Inkassobüro leisten.
Weshalb konnten Sie die unbezahlte Rechnung 
nicht auffangen?
Das berüchtigte Klumpenrisiko! Ich arbeite zwar mit zwei Agenten in Japan, die mir Aufträge vermitteln und Geschäftsgespräche vor Ort führen. Sie sind meine Türöffner zu Japan, aber ich habe mich ein bisschen zu sehr auf sie verlassen.
Trotzdem, ein offener Debitor allein sollte 
einem De...
«Es ging zu schnell»

Anerkennung schützt vor Misserfolgen nicht. Das erfährt der 33-jährige, mit wichtigen Designpreisen ausgezeichnete Colin Schaelli. Im Interview mit Meret Ernst spricht er offen über Risiken und Nebenwirkungen des selbstständigen Unternehmertums, die ihn an den Rand seiner Kräfte brachten.


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