Ein Hocker, der aus einer Platte entsteht: Das Modell aus der Serie ‹Stool around the World› führte zur Programmierung eines Online-Konfigurators.

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Open Design folgt dem Prinzip der offenen Software: 
Statt das fertige Produkt bietet der Designer den Entwurf an. Das Modell vernetzt Konsumenten und Hersteller.

Ronen Kadushin entwickelt und baut seit zehn Jahren Möbel. Der israelische Designer lebt in Berlin. Wer die Möbel nicht bei ihm kaufen möchte, kann sie günstig selbst bauen. Den entsprechenden Bauplan lädt man gratis aus dem Internet herunter. Kadushins Entwürfe sind konsequent auf die Herstellung mit computergesteuerten Maschinen ausgerichtet. Sein ‹Hack Chair› etwa wird mit einem Laser aus einer sechs Millimeter dicken Aluminiumplatte 
geschnitten und danach mit wenigen Handgriffen in Form gebogen. Überall dort, wo die Maschinen vorhanden sind, kann der Stuhl produziert werden – von Industriedienstleistern, an Hochschulen oder in Fablabs, in den frei zugänglichen Hightech-Werkstätten.
Mit seinem Ansatz hat Kadushin ein Genre mitbegründet: Open Design. Dessen Wurzeln reichen weit zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden in der Arts-and-Crafts-Bewegung in England Musterbücher mit detaillierten Anweisungen herausgegeben. Damit konnten Kunden bei ihrem Schreiner Möbel im Stil der Zeit in Auftrag geben. In den 1970er-Jahren griffen Designer ein ähnliches Modell auf – verfolgten aber eine entgegengesetzte Absicht: Mit Anleitungen zum Selbstbau einfacher Möbel übten sie Konsumkritik. Das wohl bekannteste Beispiel ist Enzo Maris ‹Sedia 1›, den er 1974 im Rahmen seines Projekts ‹Autoprogettazione› entwickelte. 1986 nahm Jasper Morrison mit seinem ‹Thinking Man’s Chair› die Diskussion um Plagiate und Kopien vorweg, indem er die zum Nachbau seines Sessels notwendigen Informationen gleich auf den Prototyp schrieb.
Mustervorlage, Konsumkritik oder Nachdenken über Autorschaft: Es sind unterschiedliche Beweggründe, die Designer dazu bringen, den Entwurf zu veröffentlichen statt ihn einem Produzenten zu verkaufen oder das fertige Produkt anzubieten. Und nicht immer geht es darum, den Entwurf in die Hände von Laien zu geben, wie es die Do-it-yours...
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Open Design folgt dem Prinzip der offenen Software: 
Statt das fertige Produkt bietet der Designer den Entwurf an. Das Modell vernetzt Konsumenten und Hersteller.

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