Bietet Privatsphäre für Asylsuchende: Shelter, das ausgezeichnete Projekt von Janina Peter und David Williner.

Ein Zuhause auf 90 x 200 cm

Janina Peter und David Williner gewinnen mit ihrer Abschlussarbeit «shelter» den Swiss Design Association Bachelor Award. Die Absolventen der Hochschule Luzern Design & Kunst zeigen, wie die prekäre Schlafsituation von Asylsuchenden in der Schweiz verbessert werden kann.

Janina Peter und David Williner gewinnen den zum dritten Mal vergebenen Swiss Design Association Bachelor Award. Der Award honoriert hervorragende Diplomandinnen und Diplomanden der Partnerhochschulen des Berufsverbandes. Die Preissumme beträgt 500 Franken und eine dreijährige Mitgliedschaft. Die Absolventen der HSLU D&K zeigen mit ihrer Abschlussarbeit «shelter», wie die prekäre Schlafsituation von Asylsuchenden in der Schweiz verbessert werden kann. An der heutigen Diplomübergabe in der Messe Luzern nahm der Objektdesigner David Williner die Auszeichnung entgegen für das Projekt, das er gemeinsam mit der Textildesignerin Janina Peter erarbeitet hat. (In unserem Videoblog «Glanz & Lilia» sprechen die beiden Ausgezeichneten über ihre Arbeit)

Bis zu zwei Jahre leben Asylsuchende in der Schweiz meist in Mehrbettzimmern ohne jede Rückzugsmöglichkeit. Janina Peter und David Williner entwickelten eine Reihe von Produkten, die als «Add-Ons» mit einem Schlaufensystem an Hochbetten aller Art angebracht werden. Gelochte Platten aus Birkensperrholz sowie im Siebdruckverfahren bedruckte Vorhänge schirmen den Schlafplatz ab; Haken, Regale, kleine und grosse Taschen generieren Stauraum und Ablageflächen. Ein Spiegel bietet einen Hauch Luxus und stützt die Selbstachtung von Menschen, die auf der Flucht alles verloren haben. Als System entwickelt, ergänzen sich die Teile, sprechen Erwachsene ebenso wie Kinder an und beruhigen die Raumatmosphäre solcher Mehrbettzimmer.
Die Arbeit nimmt Asylsuchende ernst, fügt sich in ein bestehendes System ein und verbessert dieses mit überschaubarem Aufwand. Auch deshalb glaubt die Jury an die Realisierbarkeit des Projekts – trotz des schwierigen Umfelds, in dem hart kalkuliert wird.
 

Die drei weiteren nominierten Arbeiten sind:

Aus dem Bereich Designmanagement nominiert wurde das Projekt «Stay alive – a strategy to involve laymen in first aid procedures in cardiac emergencies» von Alessandra Lacher. Auf drei Ebenen will sie Laien unterstützen und befähigen, in Notfällen erste Hilfe zu leisten: Eine Kampagne trägt erstens das Thema in die Bevölkerung und klärt über die psychologischen Gründe auf, weshalb Passanten oft nicht eingreifen. Auf einer Online-Plattform können sich zweitens künftige Retter eintragen und werden angeregt, Erste-Hilfe-Kurse zu besuchen – kombiniert mit einem Belohnungssystem, das Partner wie Versicherungen oder Krankenkassen mit einbindet. Drittens senkt eine App die Schwelle, einzugreifen: Im Notfall alarmiert ein Knopf die Sanität und Laien-Retter in der Nähe, übermittelt den Ort des Notfalls und zeigt, wo sich der nächste Defibrillator befindet. Die Arbeit skizziert ein realistisches Konzept, das von einem Human centered Approach profitiert und die Verheissungen der Gamification nutzen will. Die Jury lobt, wie die Autorin ihre Rolle als Designmanagerin umfassend versteht. Damit die nötigen Partner, die bereits Interesse signalisiert haben in einem nächsten Schritt auch mitziehen, empfiehlt die Jury der Autorin, verstärkt die harten, gesundheitsökonomischen Fakten in ihre Argumentation einzubinden.

Der Blick auf Einschränkungen und Behinderungen kann eine Chance sein, auf neue Produktideen zu kommen. Von dieser Prämisse geht Alain Zanchetta aus. Im Bereich Objektdesign entwickelte er mit Trasporta eine Tasche, die auf die spezifischen Bedürfnisse für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern eingeht. Ein auf den Knien aufliegendes Tablett kombiniert er mit einer Tasche. Dabei bildet das Tablett den festen Boden der Tasche und wird mit elastischen Bändern daran befestigt. Wird es ohne Tasche benutzt, kann es mit einer Schlaufe am eigenen Gürtel befestigt werden. Die konisch zugeschnittene Tasche lässt sich leicht herunterkrempeln und bietet Stauraum für Alltagserledigungen. Ein cleveres Bandsystem erlaubt es, die Tasche, die mit einem Klettverschluss geschlossen wird, hinten am Rollstuhl einzuhängen.
Die Jury lobt die Sorgfalt, mit der Alain Zanchetta die Bedürfnisse in eine Tasche übersetzt hat und dabei in der Formgebung auf ein inklusives, nicht stigmatisierendes Design setzt. Die Absicht, die Tasche ausserhalb des spezialisierten Marktes für Rollstuhlfahrenden zu positionieren, bedarf indes noch einiger Abklärungen.

Motiviert von persönlichen Erfahrungen, welchen Stellenwert Wein im sozialen Zusammensein haben kann, versucht Carole Fabia Meier mit ihrem Projekt
«Wine up! Designing an approachable wine drinking concept» den individuellen Geschmack der Geniesser zu stärken. Denn obwohl zu allen Zeiten und überall auf der Welt Wein getrunken wird, gilt Weinkonsum immer noch als elitär. Dazu tragen Weinkurse, Weinprobe und Spezialisten bei, aber auch die Gestaltung der Etiketten. Hier hakt Carole Fabia Meiers Konzept ein, mit dem sie ihren BA in Designmanagement abschliesst: Ihre Veranstaltung setzt auf die Ermächtigung der maximal neun Teilnehmenden. Hier lernen sie, ihre Vorlieben ernst zu nehmen. Die Jury lobt die direkte, persönliche Art, wie die Teilnehmenden zu ihrem eigenen Wein-Geschmack geführt werden. Zu wünschen wäre, dass der Nutzen der entwickelten Methode auch auf andere Aufgabenstellungen hin befragt wird um so bestehende Instrumente des Designmanagments zu erweitern.

 

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