Der Raum im Tages-Modus: Verkaufsfläche mit offenen Vorhängen. Fotos: Franca Pedrazetti

Ein Lokal, drei Tageszeiten

Bereits vor zehn Jahren hatte der Designer und Innenarchitekt Felice Dittli das Lokal in Luzern eingerichtet. Damals als Ort, an dem Ost und West einander begegnen. Nun sollte die Nutzung erweitert werden.

Am Morgen gibt es Kalligrafieunterricht und Teezeremonien, tagsüber ist der Raum Laden und Galerie, abends dann finden Lesungen oder Vernissagen statt. Bereits vor zehn Jahren hatte der Designer und Innenarchitekt Felice Dittli das Lokal in Luzern eingerichtet. Damals als Ort, an dem Ost und West einander begegnen. Nun sollte die Nutzung erweitert werden.

‹Gabriela W.› liegt in einem eleganten Eckhaus aus den Vierzigerjahren am Rand der Altstadt in unmittelbarer Nähe des Schweizerhofquais. Es ist ein längliches, über Eck laufendes Ladenlokal. Um die unterschiedlichen Szenarien zu berücksichtigen, setzte der Designer in seiner neuen Gestaltung auf rundumlaufende Vorhänge in einem hellen Blau. Je nach Licht wechselt der Farbton in ein fliederfarbiges Lila. Am Morgen, für das Schönschreiben, sind die Vorhänge zu. So entsteht im Raum ein flächiges und diffuses Licht, das die Konzentration fördert. Ist der Unterricht vorbei, wandelt sich das Lokal zur Galerie, die Vorhänge sind nun geöffnet, gerichtetes Spot-Licht beleuchtet die Ausstellungsstücke und veredelt die Waren. Am Abend, wenn eine Lesung auf dem Programm steht, werden die Vorhänge wieder halb geschlossen und die Spots gedimmt: «So ist die Stimmung privat genug, lädt zufällige Passanten aber trotzdem ein, spontan einzutreten», sagt Felice Dittli.

Wer den Raum betritt, erlebt eine unerwartete Grosszügigkeit. Diese vermittelt der Designer dank überraschender Proportionen des Mobiliars und dem Vorhang, der auch die geschlossene Rückseite ziert. Scheinbar schwebend davor montierte Displays unterstützen die Illusion eines dahinter weiterlaufenden Raums. Geschlossen sorgt die weiche Vorhangwand für einen kokonähnlichen Effekt. Holztische und offene Kuben ermöglichen eine einfache Präsentation der unterschiedlichsten Waren: Leuchten, Schmuck, Mode, Wein, Porzellan, Hüte – alle in der Schweiz produziert –, aber auch Tee aus Asien. Dank dem mit Zement überzogenen Boden und einer abgehängten Gips-Schilf-Decke wirkt der Raum schlicht und elegant, aber nicht unterkühlt. So überlässt die Innenarchitektur den ausgestellten Objekten die Hauptrolle. Zurückhaltend clever ist das Lokal auch beschriftet: Anstelle eines gewöhnlichen Schilds über der Tür wirft ein Beamer den Namen im Innern auf den rückseitigen Vorhang. 

Umbau Lokal ‹Gabriela W.›, 2018
Alpenstrasse 1, Luzern
Innenarchitektur: Dittli Design, Luzern
Licht: Inventron, Alpnach
Vorhänge: Schlegel, Basel
Mobiliar: massive Fichte, weiss lasiert

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