Die Ausstellung «Wonder Cabinets of Europe», kuratiert von Livia Lauber und Maria Jeglinska. Fotos: Sam Scott-Hunter

Ein kleines Wunder

Die Ausstellung «Wonder Cabinets of Europe», die zur Zeit am London Design Festival gezeigt wird, hat ihren Ursprung in der Renaissance.

Der Designer als Renaissance-Mensch, als Sammler von Wissen und Objekten, als Beobachter und Antwortsuchender – dieser Gedanke bilder die Grundlage der Ausstellung Wonder Cabinets of Europe, die die beiden in London und Warschau domizilierten Designerinnen Livia Lauber und Maria Jeglinska gemeinsam kuratiert haben. Um ihre Idee zu präsentieren, haben sich die beiden für eine Form entschieden, deren Ursprung ebenso in der Renaissance liegt: Die Wunderkammern. Im 17. Jahrhundert waren dies riesige Zimmer, bis unter die Decken hin gefüllt mit nach Materialien oder Zweck geordneten Sammlungen von ausgestopften Tieren, Fossilien, wissenschaftlichen Geräten, Steinen. Heute erfüllen schlichte Sperrholzkuben den gleichen Zweck. Sie stehen während des London Design Festivals in einem grossartigen Raum eines herrschaftlichen Hauses, der – wer weiss – vielleicht vor 250 Jahren einmal eine Wunderkammer gewesen ist.

Acht schlichte Sperrholzkuben als Ausstellungsflächen für acht Designer also, denn auch das müssen Gestaltende heute können: Ausschweifen, um zur Essenz zurückfinden; Masse reduzieren. Und wie sie das können: Was Pauline Deltour, Oscar Diaz, Kueng Caputo, Judith Seng, Philippe Malouin, Harry Thaler, Maria Jeglinska und Loris & Livia als «Wonder Cabinets of Europe» zeigen, ist toll: Die «DNA ihres Schaffens auf kleinstem Raum und doch weit über die Grenzen ihrer Studios hinausreichend. Und auf ganz verschiedene Art und Weise. Mal anhand eines ausgewählten Projekts, mal auf einen geographischen Kontext ausgerichtet, mal Erfahrungen in der Kindheit darstellend, mal weitschweifig, mal sehr konkret, mal anhand von Texten, mal mittels Filmen, mal kommentarlos. Das sind Wunder- und vor allem Sich-Wundern-Kammern im wahrsten Sinne des Wortes.

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