Die Unterwasser-Landschaftsarchitektin

Korallen drohen auszusterben. Marie Griesmar will das ändern und entwickelt mit einem interdisziplinären Team ein modulares Riff. Ein Tauchgang mit Einblick.

Fotos: Maurice Haas

Korallen drohen auszusterben. Marie Griesmar will das ändern und entwickelt mit einem interdisziplinären Team ein modulares Riff. Ein Tauchgang mit Einblick.

Wer in den Schweizer Seen taucht, hört seinen eigenen Atem und das Blubbern der Druckluftflasche. Ansonsten herrscht Stille. Nicht so im Meer. Wo Korallenriffe sind, lärmen Delfine, Fische und Kleinstlebewesen fressen, kauen und schlucken. Zumindest, wenn ein Riff gesund ist. Doch dies ist immer seltener der Fall: «Wir sind daran, diese Schönheit zu verlieren, und mit ihr ein Viertel aller Tiere im Ozean», sagt Marie Griesmar. Das Sterben der Korallen beschäftigt die Künstlerin und passionierte Taucherin, seit sie 2012 in den Seychellen ein ausbleichendes Riff sah. Es liess sie nicht mehr los. Gemeinsam mit der Meeresforscherin Ulrike Pfreundt und der Profitaucherin Hanna Kuhfuss hat sie im vergangenen Jahr Rrreefs gründet. Die NGO erforscht, wie künstliche Riffe bei der Wiederansiedlung von Korallen helfen können. Denn deren Überleben ist akut gefährdet. Wird die Erderwärmung nicht gebremst, könnten Korallenriffe in dreissig Jahren verschwunden sein, schätzt die Unesco. Die Auswirkungen des Massensterbens sind katastrophal für Mensch und Ökosystem und bedrohen Küsten weltweit. ###Media_2### Der Mai ist noch klamm und windig, als Marie Griesmar im Wassersportzentrum Tiefenbrunnen in Zürich einen Test durchführt. Die 29-Jährige trägt Wollpullover und Daunenjacke unter ihrem Taucheranzug. Mit einem fünfköpfigen Team möchte sie herausfinden, wie sich Betonplatten im Wasser transportieren und positionieren lassen. Geht alles gut, kommen im September rund hundert Kilogramm schwere Platten als Fundament zum Einsatz: Vor der kolumbianischen Insel San Andrés wird der erste Prototyp des künstlichen Riffs gebaut, das Rrreefs entwickelt hat. 500 Korallen und 20 000 Tiere sollen dort neuen Lebensraum finden. Das Lego-Prinzip Knapp zehn Meter vom Ufer entfernt verschwinden die Kapuzen der Taucherinnen von der Wasseroberfläche. Sie führen mit Luft gefüllte Hebesäcke ...

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