Der Politiker als Designer: Bundesrat Johann Schneider-Ammann Fotos: DPS

Die Preisverleihung

Vergangenen Freitag traf sich die Schweizer Designszene in der Markthalle in Langenthal zur Verleihung des Design Preis Schweiz 2013.

Heidi Wegener, die abtretende Kuratorin, musste noch mal zünftig in die Eisen steigen. Die angekündigte Moderatorin konnte nicht kommen, also übernahm sie gleich deren Part und führte durch den Abend. Schlag auf Schlag ging es, auch deshalb, weil die Juryurteile ab Band verlesen und die Laudatoren nur die Trophäe an die glücklichen Preisträgerinnen und Preisträger übergaben, die selber kaum zu Worte kamen. Thomas Schweizer vom Verband Swiss Textiles machte den ersten Ausschlag, als er beim Überreichen der 50'000 CHF an Annette Douglas und ihren Akustikvorhang gleich noch die Klage über den zu hohen Frankenkurs anstimmte. Die Designerin nahm’s gelassen und bedankte sich. Hübsch lakonisch auch Stephanie Baechtler, die zweite Preisträgerin des Swiss Textile Award, auf die Frage, was sie denn mit den 50'000 CHF Preisgeld anstellen wolle: Sie werde probieren, noch mal was zu machen.
Pfister-CEO Meinrad Fleischmann deutete seine Partnerschaft mit dem Design Preis Schweiz zur zweiten Designfördermassnahme um, die das grosse Möbelhaus leiste – neben Atelier Pfister, mit dem er ja schliesslich das junge Design unterstütze. Den ersten Lacher des Abends landete Colin Schaelli, der bereits zum zweiten Mal in Folge auf der Bühne stand und dieses Jahr den Pfister Interior Design Award für seine Con.temporary Furniture entgegennahm. Auf die Frage, ob ihn das nicht langweile, schon wieder prämiert zu werden, meinte er, er warte auf den Preis in der Kategorie Market. Wir rechnen gerne mit ihm.

So richtig ans Eingemachte ging es mit dem Auftritt von Bundesrat Johann Schneider Ammann. Der Langenthaler betonte hinlänglich seine Verbundenheit mit dem Zentrum des Schweizer Designs und deutete das neue Kulturfördergesetz zum Designfördergesetz um – eine wahrlich kreative Interpretation. Was der Entwurf dem Designer, sei die Gesetzgebung dem Politiker, der schliesslich auch gestalte und die Welt verbessern wolle. Ausserdem übte er sich in Medienkritik (Designjournalisten recherchierten zuwenig – gerne stellen wir Ihnen ein Gratisabo des Hochparterre zu, Herr Bundesrat), weiter beneidete er den Handlungsspielraum, den Designerinnen haben, und rief «Innovation» (zu diesem Zeitpunkt bereits geschätzte zwanzigmal beschworen) als Hilfsmittel gegen die Frankenstärke auf. Also trat ein Bundesrat auf, der Design nicht nur buchstabieren, sondern als ehemaliger Unternehmer damit etwas verknüpfen kann.

Alsbald ging der fröhliche Preisreigen weiter. Heidi Wegener musste auch den hexenbeschussten Ascan Mergenthaler als Preisüberbringer ersetzen, was sie  ohne Probleme hinkriegte, um dann von Peter Ruckstuhl mit einem übermotorisierten Blumenstrauss und Applaus verabschiedet zu werden. Der emotionale Höhepunkt des Abends war erreicht, und sie trat mit der bemerkenswerten Replik an den Präsidenten des Design Centers ab, er habe sie an der langen Leine tanzen lassen. Der Übergang war fliessend, ihr Nachfolger Michel Hueter zur Stelle und so ging’s weiter zum letzten Programm- und zweiten Höhepunkt, der Laudatio von Juror Lars Müller an die beiden Merit-Award Gewinner Daniel und Markus Freitag. Sie seien ein Modell, weil sie als Gestalter Unternehmer wurden, demnach als Designer Manager anstellten und nicht umgekehrt. Er schloss mit der Prophezeiung, dass sie nun wohl nicht mehr zu Wettbewerben, sondern zu deren Jurierung eingeladen würden, was man auch mit der Umarmung durch das Establishment gleichsetzen könne. Die beiden wirkten trotzdem jung, am Schluss erhielt Markus Freitag eine Flasche Champagner, und Daniel Freitag ein Fläschchen für seine wenige Stunden davor geborene Tochter. Schön war es, und irgendwie familiär.

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