Der getetstete Prototyp des neuen 110-Liter «Zürikübels», entworfen von Daniel Hunziker. Fotos: Alena Fabia Schwarz

Der neue Kübel

Der Abfallhai soll aus Zürichs Strassen verschwinden. Der Aufschrei war gross. Doch die Gründe dafür liegen nicht im Design, sondern im Beschaffungswesen. Für guten Ersatz sorgt – ein Designer.

Entsorgung+Recycling Zürich (ERZ) ist dafür verantwortlich, dass die Strassen in Zürich sauber bleiben. Dabei helfen den Passantinnen und Passanten über viertausend gut platzierte Abfallkübel. Der Abfallhai frisst 150 Liter, der Zürikübel knapp die Hälfte. Nun plant das ERZ, ab Sommer 2019 einen neuen Kübel aufzustellen, der 110 Liter fasst. Als das bekannt wurde, war der Aufschrei gross: Weshalb soll ein liebgewonnenes, identitätsstiftendes Objekt wie der Abfallhai ersetzt werden – gaat's no? Die Meinungen waren schnell gemacht, die Kommunikation des ERZ ungeschickt. Es sah so aus, als würde der neue Kübel von irgendwem hingedengelt. Dabei stammt der sorgfältige Entwurf von Daniel Hunziker, der sich mit Stadtmobiliar auskennt. Einer seiner letzten Entwürfe ist die Berner Bank (Hochparterre 2018/9), für die Stadt Zürich entwarf er bereits den Baumschutz, Poller, Strommasten für den Trambetrieb oder Randsteine für den hindernisfreien Busausstieg. Beim Entwurf für den neuen 110-Liter Abfalleimer orientierte er sich am alten Zürikübel und musste neue Vorgaben erfüllen, unter anderem die des Behinderten-Gleichstellungsgesetz – eine ausführliche Kritik folgt. Doch weshalb nimmt die Stadt den Abfallhai aus dem Programm? Der Grund liegt nicht im Design des Abfallhais, der scheinbar nicht mehr genügen soll, sondern im Beschaffungswesen: Werner Zemp, bei dem die Designrechte des Abfallhais liegen, hat die Herstellung ausschliesslich einer Firma zugestanden. Damit kann die Stadt Zürich den Kübel nicht mehr herstellerunabhängig beschaffen – und verstösst so gegen die kantonale Submissionsverordnung. Und das geht natürlich nicht.

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