Neue Aargauer Bank in Rheinfelden: Der Tresorraum als Wohlfühloase in der Neuen Aargauer Bank in Rheinfelden. Foto: Tom Bisig

Das Geld zu Gast bei Freunden

Wohnzimmer könnten es sein, Café-Lounges oder Kunstgalerien. Es sind aber allesamt neu gestaltete Büroräume und Schalterhallen von Bank- und Kreditinstituten. Gabriel Vetter nimmt einen Augenschein.

Die Finanzwelt kriselt nicht, sie fläzt auf ‹Designersofas›. In Rheinfelden zum Beispiel. In einer Ecke der Filiale der Neuen Aargauer Bank (NAB) ist der ganze Gerätepark der häuslichen Gemütlichkeit aufgebaut: bequeme Couchs, ein flauschiger Teppich, elegante Stehlämpchen, ein Couchtischchen. Sogar ein Gummibaum ist da. Es sieht aus wie in der Wohnausstellung von Interio oder Ikea. Intuitiv suche ich die Möbel nach Preisschildern ab; vielleicht hat die Bank ja ein ähnliches Geschäftsmodell wie die Schweizerische Post, die neben Briefmarken auch Rubbellose vertickt? Die Krise der Banken wird sicherlich auch am Aargau nicht spurlos vorbeigegangen sein. Aber nix da: Die Stubeneinrichtung ist nur Kulisse. Sie ist ein Trojanisches Pferd des Komforts, um mir, dem potenziellen Kunden, vorzugaukeln, dass es sich beim Besuch dieser Bank nicht etwa um einen Geschäftstermin handelt, sondern eher um einen spontanen Besuch unter Nachbarn. Das Geld zu Gast bei Freunden. Ich lasse mich darauf ein und höre mir, während ich auf die Kundenberaterin warte, beim Märchentelefon (dunkelblau) noch ein Trudi-Gerster-Gschichtli an.Regionales und HeimischesDie NAB-Filiale Rheinfelden erinnert mit ihrer Gemütlichkeit an luftig-biedere Minergiebunker im mittelländischen Speckgürtel: die grossen Fensterfronten, der rauhe Beton, das dunkle Eichenparkett aus dem Fricktal. Hätte ich einen Bürojob, einen Kombi und einen Retriever, würde ich hier wohl sofort einziehen wollen. In Zeiten der globalen Unübersichtlichkeit setzt die NAB also auf Regionales und Heimisches. Ich frage mich, ob wohl irgendwo in einer Ecke noch ein Grosi sitzt und, nur um der guten alten Zeiten willen, Aargauer Zwetschgen einmacht. ‹Think globally, act locally› heisst hier: Die Unsicherheit während der Finanzkrise führt zur Dezimierung des Fricktaler Eichenbestands. So funktioniert sie also, diese Globalisierung.Auch ...
Das Geld zu Gast bei Freunden

Wohnzimmer könnten es sein, Café-Lounges oder Kunstgalerien. Es sind aber allesamt neu gestaltete Büroräume und Schalterhallen von Bank- und Kreditinstituten. Gabriel Vetter nimmt einen Augenschein.

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