Der von Connie Hüsser mit Stücken von Jungdesignern liebevoll und witzig gestylte Vitra-Stand.

Best of Milano 2012

«Same Same but different»: Das könnte wie in jedem Jahr zuvor auch über dem Salone 2012 drüberstehen. Trotzdem gab es Highlights.

«Same Same but different»: Das könnte wie in jedem Jahr zuvor auch über dem Salone 2012 drüberstehen. Alles wiederholt sich irgendwie, und doch ist nichts gleich: Die Messehallen sind voll wie immer, trotzdem scheint jeder Zeit für ein Gespräch zu haben; schön wieder der von Connie Hüsser mit Stücken von Jungdesignern liebevoll und witzig gestylte Vitra-Stand (in Zusammenarbeit mit Till Weber). Allzu Schrilles fehlt auch heuer, die Innovationen sind leise, geschehen oft auf Materialbasis. Schulen – etwa das Londoner RCA in der Ausstellung Paradise – suchen nach neuen Wegen und setzen auf Konzeptionelles nach dem Motto «Let Nature be your Assistent»: Nicht nur die Nutzbarmachung von Sonnen- oder Wasserenergie ist ein wichtiges Thema, sondern auch die durchaus gewollte Sichtbarkeit des unberechenbaren Einflusses der Naturkräfte im Endprodukt.
 
Was vor einigen Jahren der Zona Tortona passierte, zeichnet sich nun in Lambrate ab: Big Brands übernehmen Sponsoring und ganze Locations. Kommerz und Qualität vertragen sich nicht immer. Ikea und Mercedes-Benz sind in den alten Industriehallen präsent, auch ein Pop Up Store von H&Ms Edelschwester Cos. Letzterer ist nur eine von einigen Überflüssigkeiten und lässt den unbedingten Wunsch aufkeimen, dass die Fashion-Brands doch bei ihren Kernkompetenzen bleiben mögen, statt zu versuchen, sich ein Stück vom Möbel-Kuchen abzuschneiden. Vor allem die Qualität der Ausstellungen in den Mega-Hallen in der Via Massimiliano und Via Sbodio hat abgenommen – die Highlights lassen sich an einer Hand abzählen. Was nach der Ventura Lambrate 2012 in Erinnerung bleibt? Weniges aber doch Einiges: Zum Beispiel die bunt-geometrischen Colour-Me Tische von Liliana Ovalle in der Galerie Plusdesign, die Spiegelinstallation The Dandies von Ben Clement and Sebastian de la Cour für Danish Crafts, die Ausstellungen Another Terra und The Machine, die Carwan Gallery.

Und immer wieder: «Na? Was hast du bisher schönes gesehen?»: Die Eisbrecher-Frage Nr. 1. Und die Antwort (ein Klassiker auch sie): «Hmm. Naja. Nichts sooo Besonderes.» Und dann tauchen doch – immer – Antworten auf. Die coolste Party (weil unerwartet): Die Vernissage der von Alfredo Häberli kuratierten Ausstellung zu Ehren des Hallingdal65-Stoffes von Kvadrat. Die schönsten persönlichen Erfolge: Der von Philippe Malouin, weil er einer der W Hotels Designers of the Future bei Design Miami 2012 ist, und der von ACE, deren Stand Li Edelkoort ein anerkennendes Brummen entlockte. Die beste Ausstellungs-Location: Das Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia, wo unter anderem die Stücke des neuen Labels La Chance zwischen Dampflokomotiven und U-Booten stehen, und eine wunderbare, von Dimorestudio mit Vintage-Möbeln eingerichtete Bürgerwohnung über dem Boffi-Showroom in der Via Solferino. Die beeindruckendste Installation: Der Nachbau des 1938 von Charlotte Perriand ersonnenen Refuge Tonneau bei Cassina. Die tollsten Möbel: Der Schminktisch von Nipa Doshi und Jonathan Levien für Bd.Barcelona, die Seifenblasenleuchte von Front Design bei Rosanna Orlandi, die Spiegel von Lex Pott in der von Matylda Krzykowski kuratierten Ausstellung Front Room und bei Danish Crafts. Die besten neuen Brands: Discipline und - vor allem - Karimoku New Standard. Letzteres wurde 2009 lanciert, war bis anhin gut und ist heute schlicht überragend.

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