Aurélien Reymond, Gaspar Reverdin: Ihr Wohnzimmer ist halluzinierend rosa. Fotos: Dylan Perrenoud

Beseeltes Wohnen

Wie sollen wir wohnen? Einen reformatorischen Zugang, um im Bild zu bleiben, wählten Studierende der Genfer HEAD. An einem Workshop unter der Leitung von Daniel Zamarbide und Nitzan Cohen entwarfen sie keine Möbel, sondern sechs Räume einer Musterwohnung.

Die Hohe Messe des Wohnens wird bekanntlich in Mailand am Salone gefeiert. Gehuldigt wird der Variation, mit der die Gegenstände alljährlich in neuem Kleid erscheinen – eine Art Transsubstantiation des Alten ins Aktuelle, deren tieferen Sinn nur Gläubige begreifen. PR-Verantwortliche amten als Priester und Ministranten, die Gemeinde der Einkäuferinnen und Journalisten wandert von Altar zu Altar, von Kapelle zu Kapelle, nach strengem, wenn auch ungeschriebenem Ritus. Doch die ganze Pracht verhüllt unseren Umgang mit und die Beziehung zu den Gegenständen des Wohnens. Installiert war sie in einem ehemaligen Fabrikgebäude in der Zona Ventura Lambrate.Hinein gelangte man durch eine Bibliothek, die das Rückgrat für das ganze Apartment bildete – ein Raum zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, Eintauchen und Ausstellen. Dem Privaten verpflichtet waren das delikate Schlaf- und das illusionistische Wohnzimmer; dem Austausch das Esszimmer, dessen runder Tisch nicht nur an James-Bond-Szenografien erinnerte, sondern deren wechselnde Tafelaufsätze zum Tischgespräch aufforderten. Im Panic Room mahnte eine Installation, dass wir auch im Privaten nie, nie allein sind, sondern von unsichtbaren Diensten überwacht werden. Und die Struktur, die unsere Behaglichkeit garantiert, machte die Loge des Hausmeisters deutlich. Subtil erzählt, perfekt umgesetzt erkannte man am Ende des Rundgangs: Der Raum des Wohnens ist nie hermetisch, sondern öffnet sich nach allen Seiten – weil wir von aussen eintreten, darin lernen, träumen, phantasieren, uns unterhalten, regenerieren, bedient, überwacht, strukturiert werden. Egal, wie neu die Gegenstände sind, die uns dieses Tun ermöglichen. HEAD, Ausstellung ‹Conversation Pieces›Nach einer Idee von Alexandra Midal, entwickelt in Workshops unter Leitung von Daniel Zamarbide und Nitzan Cohen (Raum, Möbel), Matali Crasset und Magdalena Gerber (Tafel...
Beseeltes Wohnen

Wie sollen wir wohnen? Einen reformatorischen Zugang, um im Bild zu bleiben, wählten Studierende der Genfer HEAD. An einem Workshop unter der Leitung von Daniel Zamarbide und Nitzan Cohen entwarfen sie keine Möbel, sondern sechs Räume einer Musterwohnung.

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