Der Gaudí-Hocker von Bram Geenen trägt die Last über feine Träger ab – wie bei einem Gebäude. Fotos: PD, © Bram Geenen

Auf in die dritte Dimension

Eine Ausstellung im Museum für Gestaltung präsentiert Alltagsgegenstände aus dem 3D-Drucker. Die neue Technik lässt der Formfantasie freien Lauf.

«Fabvolution». So heisst das Buch zur Ausstellung über 3D-Drucker, die zurzeit im Museum für Gestaltung in Zürich zu sehen ist. Die neuen Geräte sollen also eine Revolution der Fabrikation einläuten. Doch die Schau zeigt vor allem, wie die Maschinen die Form befreien. Denn diese ist mit der Technik so frei wie noch nie. Form follows fantasy, könnte man sagen. Zu sehen sind etwa Lampen, die wie exotische Früchte von der Decke hängen, oder ein Stuhl, der zu zerfliessen scheint. Auch bewegliche Teile können die Drucker in einem Arbeitsschritt produzieren. Beispielsweise eine Lampe, die sich wie eine Blume öffnen lässt. Oder ein Abendkleid, dessen Maschen ebenfalls ausgedruckt wurden.
Neben solchen Spielereien bringt die neue Technik aber auch handfestere Vorteile. Da die Varianten unbegrenzt sich, lässt sich die Form auf das Individuum zuschneiden. So reagiert die Sonnenbrille auf die krumme Nase oder die Schuheinlage passt sich dem Fuss an. Und da mit den 3D-Drucken der Komplexität keine Grenzen gesetzt sind, kann der innere Aufbau eines Stuhlbeins ähnlich wie bei einem Knochen fein verästelt sein. Material wird nur dort gebaut, wo es auch gebraucht wird. So spart man Gewicht und Material und erhöht gleichzeitig die Stabilität. Im Flugzeugbau oder in der Medizin sind das entscheidende Vorteile.
Mit dem Druckverfahren kommt man praktisch auf Knopfdruck von der Idee am Bildschirm zum fertigen Objekt. Noch nie war der Weg zwischen Virtualität und der realen Welt so kurz. Damit wird das Objekt praktisch unabhängig vom Ort. Die Europäische Weltraumorganisation will sich dies zu nutze machen. Sie hat kürzlich einen Entwurf des Architekten Norman Foster für eine Mondbasis vorgestellt. Die kuppelförmigen Häuser sollen mit lokalem Erdmaterial gedruckt werden. Der teure Transport ins Weltall fällt damit weg. Noch gehören solche Ideen aber ins Reich der Fantasie. Ob es also tatsächlich zur angekündigten Revolution kommt, muss die Technik erst im Alltag beweisen.

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