Altes neu denken

Der Industriedesigner Björn Ischi erweckt ausrangierte Büromöbel zu neuem Leben und macht sie funktionstüchtig für die Arbeitswelt. Upcycling ganz ohne Vintage-Chic.

 

Fotos: Ephraim Bieri

Der Industriedesigner Björn Ischi erweckt ausrangierte Büromöbel zu neuem Leben und macht sie funktionstüchtig für die Arbeitswelt. Upcycling ganz ohne Vintage-Chic.

 

Büros sind kurzlebige Welten. Wird restrukturiert und wechselt der Unternehmenschef oder der Markenauftritt, landet oft das gesamte Interieur auf der Strasse. Bei schweizweit 55 Millionen Quadratmetern Bürofläche fällt das ins Gewicht: «In der Schweiz lagern Berge ungenutzten Materials», sagt Björn Ischi, «Tausende von Tischen, Schränken und Regalen, die im papierlosen Büro niemand mehr braucht.» Darum will der Industriedesigner das Büro von morgen mit dem Ausschuss von gestern ausstatten – nicht indem er 1990er-Jahre-Tische in spiegelblanke Glaspaläste stellt, sondern indem er Ungenutztes auseinanderschraubt und daraus Möbel für zeitgemässe Arbeitsstrukturen baut.    Kooperation statt Gärtchendenken «Aus 800 hässlichen Tischplatten etwas Kluges zu entwickeln, ist anspruchsvoll», sagt der 44-Jährige. «Sobald wir die Sachen in die Finger nehmen, fallen Kosten an. Darum müssen wir genau wissen, was die Kunden brauchen.» Um zu erfahren, welche Bedürfnisse sie haben, organisiert der Designer gemeinsam mit der Möbelfirma Girsberger und den Kunden Workshops. Ischi moderiert und skizziert, die Möbelmacher setzen die Ideen vor Ort um. So entstehen in kürzester Zeit Prototypen. Und die Kunden können nachvollziehen, was den Entwurf beeinflusst. ###Media_2### Seine Methode nennt Ischi ‹Upcycling by Design›. Das Material ins Zentrum der Gestaltung zu stellen, birgt überraschende Möglichkeiten. Lange Zeit schien die Idee eines Smart-Office-Tischs mit integrierter Stromversorgung zu teuer. Dann tauchten bei einer Kundin 300 stählerne Abfalleimer im Möbellager auf. Ihr doppelwandiges Gehäuse erfüllt alle Sicherheitsbestimmungen, sie eignen sich damit als Batteriebehälter. Aus dem Abfalleimer wird nun ein rollbarer Polsterhocker: Man setzt sich drauf, um zu arbeiten, und steckt den Laptop zum Aufladen ein. «Finanziell hat das Projekt geklappt, we...

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