Kurt Thut (1931-2011) Fotos: zVg

Adieu, Kurt Thut

Kurt Thut ist gestorben, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Bis zu seinen letzten Entwürfen vor gut zehn Jahren als er schon lange Grossvater war, war er einer der in Geist und Pfiffigkeit wachsten Möbeldesigner der Schweiz.

Kurt Thut ist gestorben, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Bis zu seinen letzten Entwürfen vor gut zehn Jahren, als er schon lange Grossvater war, war er einer der in Geist und Pfiffigkeit wachsten Möbeldesigner der Schweiz.

Der Aluschrank, das Scherenbett und der Folienkasten sind drei seiner Entwürfe, die es auf einen Ehrenplatz in der Galerie vorzüglicher Möbel geschafft haben – einer Galerie nicht allein des Schweizer, sondern des Weltmöbels. Kurt Thut stützte sich für sein Können und Arbeiten auf einen durchaus gewöhnlichen Weg. Geboren in Möriken im Kanton Aargau, wurde er Schreiner und lernte Innenarchitekt und Designer bei Willy Guhl an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Er hatte sein Büro und Leben in Zürich, immer aber stand er in Kontakt mit seinem Vater und dessen «Fabrikli» in Möriken, wie er der Schreinerei sagte. Er machte über viele Jahre Möbel und Interieurs, gut und schön eingebettet in die Szene seiner Kameraden aus der Zeit der Kunstgewerbeschule. 1976 übernahm er den wankenden Betrieb des Vaters und baute ihn um und aus zu einer Manufaktur für Möbelentwicklungen.

Im Alter, als andere ans Abgeben und Loslassen denken, kam er zu Blüte und wurde einer der wichtigen Möbeldesigner der Schweiz. Basis war dafür das Fabrikli, und der Druck als Unternehmer erfolgreich sein zu müssen – es auch allen zu zeigen, dass er dies konnte. Er setzte dafür aufs Erfinden, aufs Unerwartete und dennoch Naheliegende. Der Folienschrank war seine Antwort auf die geschreinerten Monstermöbel der Postmoderne. Als Designer stützte er sich natürlich auf das Repertoire der Modernen, die Guhl und die Seinen ihm in den Fünfziger Jahren beliebt gemacht hatten; aber er schmunzelte über kunsthistorische Pirouetten – seine Methode war der Alltagsverstand und eine wache Sicht auf die Welt: Was ist das Problem? Wie kann ich es lösen? Wie kann ich ein Möbel machen, das den meinen und mir in Möriken Arbeit und Gewinn bringen kann? Und so erprobte er, wie Leichtbau funktioniert, was ein Skelett und darüber eine Haut leisten können, wie Kunstsstoffolie zu gewöhnlichem und tauglichem Material für Möbel gemacht werden kann.

«Designer, Konstrukteur, Unternehmer» nannte ich eine Monografie, die ich zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten, Fotografen und Freund Alfred Hablützel zu seinem 70. Geburtstag herausgegeben habe. Wer mehr über Kurt, sein Leben & Werk wissen will, kann dieses Heft hier herunterladen.

Hochparterre und Kurt Thut pflegten seit unserer ersten Ausgabe eine frohe Kameradschaft; ich begann seinen skeptischen Blick, seinen trockenen Humor, seine leise Stimme zu vermissen als er sich vor ein paar Jahren ganz zu sich zurückgezogen hat. Jetzt ist er fort gegangen. Ich kondoliere seiner Frau, seinen Söhnen, seiner Tochter und Enkeln, von denen er immer so voller Freude war, herzlich.

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