Kim Stanley Robinson ist ausgerüstet, die Geschichte zu bauen, die das Thema Klimakrise den Leserinnen vor Augen stellt, schreibt der Stadtwanderer.

Ein Buchkonstrukt

Es sieht böse aus, doch die Hilfe kommt. Das Ministerium für die Zukunft koordiniert die Erdrettung. Die ist zwar schwierig, doch machbar. Wenn die Banker wollen. Bis 2050 ist’s beinahe geschafft.

Dieses Buch ist sorgfältig konstruiert. Der Grossschriftsteller Kim Stanley Robinson plant ein neuen Bestseller. Was liegt in der Luft? Erraten, die Klimakrise. Also setzt er sich hin und recherchiert als erstes gründlich. Es sammelt das vorhandene Wissen. So ist er ausgerüstet, die Geschichte zu bauen, die das Thema Klimakrise den Leserinnen vor Augen stellt. Er weiss, wie man das macht. Zuerst braucht er eine Leitfigur, Mary Murphy, eine Irin, sie wird die Direktorin des Ministry for the Future, eine UNO-Aussenstelle. Das Zukunftsministerium soll die seit Paris beschlossenen Massnahmen weltweit durchsetzen. Mary hat dafür so 30 Jahre Zeit. Es ist Überzeugungsarbeit, denn sie hat kein Geld zu verteilen. Man sieht ihr bei der Arbeit und der Abnützung zu. Doch ein Erfolgsschriftsteller weiss, dass er mit einem Paukenschlag beginnen muss. Er beginnt mit einer Katastrophe. In Indien herrscht eine schreckliche Hitzewelle, die Millionen von Toten fordert. Einer überlebt, Frank, die Gegenfigur zu Mary. Frank geht den schicksalshaften Weg vom Radikalen zum Abgeklärten. Er und Mary bilden ein seltsames Paar. Die Erde ist futsch, sagt er, die Erde können wir retten, antwortet sie. Liebe ist keine zwischen ihnen, nur Verstrickung. Liebe ist in diesem Roman gar nicht nötig, denn es geht um das grosse Ganze, nicht um die Einzelschicksale. Von denen treten auf den 563 Seiten trotzdem einige auf. Das lässt es zu, immer wieder den Erzählstandpunkt zu wechseln und die verschiedenen Orte aufzusuchen, wo die Erdrettung im Gange ist. Zum Beispiel in der Antarktis, wo ein Geologe sich mit den abschmelzenden Gletschern beschäftigt. Warum fliessen sie so schnell? Weil sie sich nicht mehr auf dem Felsgrund reiben, sondern auf eine Wasserschicht ins Meer gleiten. Also bohrt man Löcher in die Gletscher tief bis zum Fels und pumpt das Grundwasser an die Oberfläche, wo es auf dem Gletscher wieder ...
Ein Buchkonstrukt

Es sieht böse aus, doch die Hilfe kommt. Das Ministerium für die Zukunft koordiniert die Erdrettung. Die ist zwar schwierig, doch machbar. Wenn die Banker wollen. Bis 2050 ist’s beinahe geschafft.

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