Bob Gysin Partner berichtet in einem Buch über Erfahrungen mit Wohnen im Alter. Lesenswert, lehrreich, nötig.

Wohnen im Alter

Bob Gysin Partner berichtet in einem Buch über Erfahrungen mit Wohnen im Alter. Lesenswert, lehrreich, nötig.

Bob Gysin Partner (BGP), das Architekturbüro aus Zürich, hat eine Reihe Wohnbauten für alte Menschen realisiert. Nun berichten die Architekten in einem Buch ihre Erfahrungen. Es stellt verschiedene Wohnformen vor - vom städtischen Nutzungshybrid, über Alterssiedlungen mit Serviceleistungen, bis zu Pflegeeinrichtungen. Beispiele aus der Praxis zeigen wie mit den heutigen Normen und Standards – energetische, betriebliche und ästhetische – geplant und gestaltet werden kann. Die Beschreibung von gebauten und geplanten Projekten von BGP mit faszinierenden Bildern und Grundrissen in Stäfa, Küsnacht, Zürich, Baden Appenzell, Dielsdorf, Basel, Uster und St. Moritz sowie im Ausland (Kehl, Hamburg) wird ergänzt mit Essays über den «Wandel des Alters und Folgen für Wohnformen im höheren Lebensalter» von François Höpflinger, «Kunst im Alterszentrum?» von Sibylle Omlin und mit der Beantwortung der Frage «Was kann Architektur leisten?» von Bob Gysin Partner selber.

Die Aufgabe lautet wie das Buch heisst: «Wohnen in jedem Alter». Architektur für ältere Menschen entspricht im Wesentlichen einer nicht diskriminierenden und nachhaltigen Architektur, die genauso vielfältig und differenziert wie in jedem anderen Lebensabschnitt sein muss. Das Buch empfiehlt: Erstens braucht es unterschiedliche Wohnungstypen, zweitens vielfältige Gemeinschaftseinrichtungen und drittens attraktiv gestaltete Aussen- und Grünanlagen. Resiliente Architektur, die sich den veränderten Bedürfnissen beim Älterwerden oder unvorhergesehenen Lebensumständen anpassen kann und viertens sind in Architekturwettbewerben oder Ausschreibungen keine zahlenfixierten Raumprogramme nötig, sondern Spielräume für Vielfalt und Mehrwerte.

Werden die Menschen in Zukunft über 100 Jahre alt? Was bedeuten dann noch Worte wie Jugend und Alter? Müssen wir die Frage nach dem zukünftigen Wohnen – und auch Arbeiten - der Menschen in Anbetracht der Entwicklung der Demographie, der Megatrends wie Individualisierung, Konnektivität und Sicherheit sowie der Herausforderungen der Innenentwicklung und des Ressourcenverbrauchs noch viel radikaler angehen? Dürfen die genannten Herausforderungen mit Neubauten gelöst werden? Welche Chancen bieten Umbauten und Erneuerungen in den Altstadtquartiere? Die Verfasser von «Wohnen in jedem Alter» liefern dazu Hinweise – allerdings noch keine konkreten Projekte: «Ein vielversprechender Ansatz wäre es, die altersgerechte Sanierung von Altbauten stärker zu fördern und gezielt in die Bausubstanz der bestehenden Strukturen und Quartiere zu investieren.» Und weil der Mensch im Mittelpunkt steht, ist zu berücksichtigen, dass die Wertschätzung des Wohnumfeldes ein immaterielles Gut ist, abgeleitet aus der Gesellschaft und ihren Individuen selbst. Wie andere Werte ist sie deshalb stets im Wandel. Den Wertebildungsprozess in Gang zu halten, ist neben dem hochwertigen Planen und Bauen die zentrale Aufgabe aller am Bauwerk Mitwirkenden. Dazu leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag.

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