Geschichte der Rekonstruktion. Konstruktion der Geschichte.

Über den Umgang mit den Resten

«Eine Kopie ist kein Betrug, ein Faksimile keine Fälschung, ein Abguss kein Verbrechen und eine Rekonstruktion keine Lüge.»

Wiederaufbau-geängstigten erteilt Winfried Nerdinger schon im ersten Satz eine Absage. Sein tiefer Griff in die Baugeschichte soll zeigen: Das gab es schon immer. Um das Öffnen und Fundieren einer in Deutschland ach so festgefahrenen Diskussion geht es dem Buch und der dazugehörigen Ausstellung im Münchner Architekturmuseum. Und wahrscheinlich muss ein Beitrag mit diesem Anspruch auch tatsächlich drei Kilogramm wiegen und 26 Themenbeiträge und Unmengen von konkreten Beispielen auf über 500 Seiten versammeln. Die Aufsätze blicken weit: nach Asien, den USA und Osteuropa, auf Wiederaufbauten für Religion und Politik, in Antike und Renaissance. Ein Glossar klärt den Begriffsnebel von Rekonstruktion bis Replik. Uta Hassler, Professorin für Denkmalpflege an der ETH Zürich und Mitinitian-tin des Projekts, zeigt schliesslich auf, wie das Ideal ihrer Profession dem Ziel wiederaufbauender Architekten häufig entgegensteht: Statt dem geduldigen «Retten von Resten» wollen die Fragmente inszenieren. Ein Standardwerk.

Winfried Nerdinger (Hg.): Geschichte der Rekonstruktion. Konstruktion der Geschichte. Prestel Verlag, München 2010, CHF 110.-

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