Pool des Hotels Romazzino von Michele Busiri Vici an der Costa Smeralda (Foto aus dem Jahr 1966).

Swinging architecture

Die Feriensiedlung Costa Smeralda auf Sardinien ist das «Andermatt Swiss Alps»-Resort der 1960er-Jahre, nur viel besser. Nun hat die Architektin Nele Dechmann ein Buch zur Architektur der Siedlung geschrieben.

Die Feriensiedlung Costa Smeralda auf Sardinien ist das «Andermatt Swiss Alps»-Resort der 1960er-Jahre, nur viel besser und erfolgreicher. Auch in Sardinien kam mit Karim Aga Kahn IV. ein sagenhaft reicher Investor aus dem Morgenland, ebenso war die Zielgruppe eine internationale Hautevolee, auch spielte die Architektur eine wichtige Rolle und auch in Sardinien hat das Projekt einen bis anhin kaum wahrgenommenen Küstenabschnitt auf die internationale Jetset-Landkarte gehoben. Und wie in Andermatt ist die Feriensiedlung das Ergebnis der Idee, eine (mehr oder weniger) unberührte Region mit einem gross angelegten Tourismusprojekt wirtschaftlich zu entwickeln. Nun hat die Architektin Nele Dechmann die erste Monografie zur Architektur der Costa Smeralda geschrieben. Sie hat aus ihrer Dissertation ein lehrreiches Buch gemacht. Es dokumentiert einzelne Bauten, Masterpläne, Bauregeln und einige Bauten der drei Hauptarchitekten Michele Busiri Vici, Jacques Couëlle und Luigi Vietti sowie die Einflüsse des Projekts auf andere Bauten der Insel bis heute. Die Feriensiedlung wurde ab 1961 von einem dafür gegründeten Konsortium unter Karim Aga Khan IV. geplant und realisiert. Der von den drei Architekten geprägte «Stil Costa Smeralda» beeinflusste die Insel noch viele Jahre später auf den Ebenen Städtebau, Architektur, Strassenbild und auch Bepflanzung. Die Architekturen der Costa Smeralda wirken zuweilen wie Bühnenbilder, die entlang von Bewegungen zu diskreten Wahrnehmungen komponiert werden, wie die Doktorväter Vittorio Magnago Lampugnani und Marcel Meili im Vorwort schreiben. Es entstand eine (aus heutiger Sicht) schlichte, naturnahe Urlaubswelt für einen internationalen Kreis von Superreichen. 1976/77 diente sie sogar als Kulisse für den James-Bond-Film «Der Spion, der mich liebte». Für das Buch hat Dechmann erstmals wesentliches Quellenmaterial untersucht und eine Vielzahl von Bildern und Plänen der Gründerbauwerke aus dem Archiv des Architekten Enzo Satta analysiert. Dechmanns Sicht auf die persönliche Sammlung des langjährigen Hausarchitekten des derzeitigen Aga Khans gibt einen exklusiven Einblick in die Lebenswelt des Jetsets der 1960er- und 1970er-Jahre. Das Buch rückt die Themen Städtebau, Architektur, Behandlung der Landschaft und die Lebensführung der Bewohnerinnen und Bewohner ins Zentrum und legt den bemerkenswerten Einfluss der Tourismussiedlung auf die architektonische Entwicklung Sardiniens bis heute dar.

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