Cover «Der Maler der Ewigen Portrait Galerie»

Portraits für die Ewigkeit

Ein erfolgloser Kunstmaler entdeckt im Nachlass seiner Grossmutter ein kleinformatiges Portait das ihn auf die Spur seines unbekannten Grossvaters bringt. Die neue Graphic Novel von Matthias Gnehm bricht formal die Konventionen des Genres.

Die Vorgeschichte: Vor einem knappen Jahr stellte der Zeichner und

Architekt Matthias Gnehm in der Galerie Mark Müller in Zürich sechs auf

vier Zentimeter grosse schwarzweisse Pastellkreidebilder aus –

mehrheitlich Portraits bekannter und unbekannter Menschen sowie

Stadtansichten und Umsetzungen alter Fotos  – und lancierte gleichzeitig

seine Website. Für 400 Franken konnte man sich von ihm im gleichen Stil

portraitieren lassen, erhielt das Original zugeschickt und das Bild

wurde auf www.eternalportraitgallery.com hochgeladen. Dazu bekam man die

Zusage, dass das eigene Portrait in die nächste Graphic Novel des

Künstlers eingebaut würde. Diese ist nun erschienen.http://www.eternalportraitgallery.com/

‹Der Maler der Ewigen Portrait Galerie› bricht formal die Konventionen des Genres. Anstatt Panels und Spechblasen gibt es im 256 Seiten dicken Werk nur ein oder vier hochformatige Bilder pro Seite, randabfallend gedruckt und getrennt durch feine weisse Stege. Die Texte stehen in der Art von Zwischentiteln bei Stummfilmen auf weissen oder schwarzen Flächen neben den Bildern. Dieser Gestaltungsraster zieht sich auch auf den silbrig spiegelnden Umschlag weiter, wo vier schwarz gedruckte Zeichnungen mit weiss geprägter Titeltypografie kombiniert werden. Das Buchdesign stammt vom Zürcher Büro Raffinerie für Gestaltung.

Der Plot ist simpel: Ein erfolgloser Kunstmaler entdeckt im Nachlass seiner Grossmutter ein kleinformatiges Portait das ihn auf die Spur seines unbekannten Grossvaters bringt. Mit seiner filmischen Bildsprache - Fahrten durch die nächtliche Stadt, Close-Ups auf den Protagonisten - erzeugt Gnehm aber einen Sog, der einen mitten in die Geschichte hineinzieht und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Daneben hat er es geschafft, alle 70 Portraits, die ihm seine einjährige Arbeit zu einem Teil finanziert haben, stimmig in die Geschichte einzubauen.

Matthias Gnehm: Der Maler der Ewigen Portrait Galerie, Edition Moderne 2013, Fr. 39.80

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