Margret Becker, Der Raum des Öffentlichen. Die escola Paulista und der Brutalismus in Brasilien.

Offen und öffentlich

Die Escola Paulista ist hierzulande längst ein Begriff. Ihre kräftigen, horizontal auf wenigen Stützen lagernden Dachgebilde aus Beton, darunter die offenen, leeren Räume haben viele beeinflusst, darunter Kerez und Olgiati. Das Buch legt die Wurzeln der Escola Paulista frei und beschreibt ihre Haltung und Entwurfsprinzipien.

«Es gibt im Grunde keinen privaten Raum. Es gibt nur unterschiedliche Grade des Öffentlichen.» Ein starker Satz von Mendes da Rocha, darüber das Bild eines starken Raums, die Halle der Architekturfakultät São Paulo, von Vilanova Artigas in den Sechzi- gerjahren gebaut. Beides, Satz und Bild, fassen den Inhalt des Buchs vorweg als Essenz zusammen. Die Escola Paulista ist hierzulande längst ein Begriff. Ihre kräftigen, horizontal auf wenigen Stützen lagernden Dachgebilde aus Beton, darunter die offenen, leeren Räume haben viele beeinflusst, darunter Kerez und Olgiati. Auch Annette Spiro erforschte diese Gebäude. Ihre Schöpfer haben Offenheit als gesellschaftliches Ideal vertreten. Das Buch legt die Wurzeln der Escola Paulista frei, beschreibt ihre Haltung, ihre Entwurfsprinzipien und wie sie als Gegenbewegung zur Escola Carioca entstand, der von Oscar Niemeyer dominierten Schule von Rio de Janeiro.Wissenschaftliche Distanz kennt das Buch nicht. Leidenschaft ist gut, doch die Leier von offener Architektur und Gesellschaft ist zu kritiklos. Vilanova Artigas (1915–1985) und der 13 Jahre jüngere Mendes da Rocha haben ihren Kampf nie gewonnen. Bis 1985 herrschte die Militärdiktatur, und heute dominieren soziale Ungleichheit und Angst den öffentlichen Raum. Die Escola Paulista ist es dennoch wert, studiert zu werden. Ihre schönen Räume sind es allemal.


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