Burckhardt stellte fest: Planung hat keinen Anfang und kein Ende. Immer steigen wir in einen Prozess ein und ist der Bau fertig, beginnt das Weiterbauen.

Lucius redivivus

Lange war’s still um Lucius Burckhardt (1925-2003), doch nun taucht er wieder aus dem Vergessen auf. Seinem Wirken als «werk»-Redaktor hat die ZHAW eine Studie gewidmet.

Es gibt ein Leben nach dem Bauen, darum müssen wir heute so bauen, dass morgen unsere Nachkommen den Bestand als wertvoll und formbar genug beurteilen, dass sie daran weiterbauen wollen. Luzius Burckhardt hat das Ende der «frischfrohen Architektur» vorausgesagt, die in den Zeiten der Hochkonjunktur so heftig spross. Damals waren wir fortschrittsgläubig und unternehmensfroh, doch sass der Wurm schon drin. Burckhardt hat das hellsichtig diagnostiziert. Er stellte fest: Planung hat keinen Anfang und kein Ende. Immer steigen wir in einen Prozess ein und ist der Bau fertig, beginnt das Weiterbauen. Kein Sachzwang verbietet unmögliche Lösungen, es geht im Gegenteil darum, die Randbedingungen zu überprüfen. Wer baut, verändert das Leben, aber nur im Zusammenwirken mit den gesellschaftlichen Spielregeln. Ändert man diese, so ist das Bauen oft überflüssig. Architektur ist unsichtbar, sie wirkt nur, wenn sie Nutzen und Orientierung bringt. Der Formenvorrat der Moderne erzeugt Entfremdung. Bemesse die Zeit. Bauten werden akzeptiert, ja geliebt, wenn sie Nutzungsveränderung und Geschichte verkörpern. Andersherum: Das Gegenteil der fertigen, funktionalistischen Einzellösung heisst Weiterbauen. Was sich nicht anpassen lässt, stirbt aus. Burckhardt ist einer der Väter der grünen Architektur, ohne je ökologisch argumentiert zu haben. Ihm ging es nicht um die vergeudete graue Energie, wenn er gegen das blindwütige Abreissen war, er war gegen die eindimensionale Bauwut. Was für einen Redaktor des «werk», der er von 1962-1972 war, doch einigermassen seltsam war. Denn vor ihm, stellten die Architekten ihre Bauten im Heft selber vor und es war allen klar, dass wir damals in der besten aller Welten lebten, in der Moderne. Burckhardt betrachtete die Dinge mit dem Soziologenblick. Er betonte die gesellschaftliche Bedeutung der Architektur, aber sie bildet die gesellschaftlichen Kräfte ...
Lucius redivivus

Lange war’s still um Lucius Burckhardt (1925-2003), doch nun taucht er wieder aus dem Vergessen auf. Seinem Wirken als «werk»-Redaktor hat die ZHAW eine Studie gewidmet.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?