Aroser Orts- und Flurnamen

Landschaftssprache

Studien zu Orts- und Flurnamen sind das Terrain der pensionierten Lehrer, die mit Sammelfreude ergründen, warum welches Stück Land wie heisst. Der pensionierte Lehrer Hans Danuser (nicht der Künstler) und der Grafiker Fortunat Anhorn zeigen, wie das anders geht.

Studien zu Orts- und Flurnamen sind das Terrain der pensionierten Lehrer, die mit Sammelfreude ergründen, warum welches Stück Land wie heisst. Meist fassen sie ihre Fleissarbeiten auf Blättern in Ringordnern zusammen. Der pensionierte Lehrer Hans Danuser (nicht der Künstler) und der Grafiker Fortunat Anhorn zeigen, wie das anders geht. Ihr Buch «Aroser Orts- und Flurnamen» verbindet Sammeln mit Zeigen zu einem Stück exemplarischer Informationsgrafik: Lesen und sehen, um zu erkennen. Die üblichen Werkzeuge Karte und Liste verknüpfen sie mit Fotografie und Typografie. Als Fundus dient ihnen vorab der Nachlass des Kurortsfotografen Brandt. In diese Bilder montierte der Grafiker die Landschaftsbegriffe und verknüpft so geschickt die verbale Tradition mit der visuellen. Wir sehen und lesen, wie über hundert Jahre aus dem Bauerndörfchen der Kurort wuchs und diese Veränderung sich niederschlug, zuerst in der Benennung neuer Orte und dann in der handfesten Veränderung. «Millionaloch» heisst etwa eine Wiese, deren Umbau in eine Skipiste teuer war. Das Buch ist Teil einer langen Tradition. Landschaft benennen und beschreiben ist das älteste Handwerk in der Architekturkritik. Und gehen wir mit dem Aroser Landschaftsbuch auf unterhaltsame Sofareise, so lernen wir, dass es in der Landschaftskritik seit Homer um Differenz geht: Wie wird Wildnis von nutzbarer Landschaft unterschieden? Wie wird namenlose Vielfalt zu einem Ort für Geschichten? Wie wird in Arosa eine gleichgültige Wiese zum «Guisanplatz» oder eine Strassenkurve zum «SOS-Rangg»?

Hans Danuser, Fortunat Anhorn: Aroser Orts- und Flurnamen. Eigenverlag, Arosa 2011, CHF 46.– hannes.danuser@bluewin.ch

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