Corina Flühmann, «Weststrasse», Edition Patrick Frey, 2015 Fotos: Corina Flühmann

Geschunden und auferstanden

In fünf Jahren hat sich die Zürcher Weststrasse vom Transitschlauch zur Wohnstrasse gewandelt. Die Fotografin Corina Flühmann hat die Metamorphose dokumentiert und in ein unprätentiöses Buch verpackt.

Vor fünf Jahren wurde die Zürcher Weststrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt. Doch zur Szenemeile hat sie sich in dieser Zeit nicht gemausert. Abends herrscht hier Nachtruhe – wie früher, wenn um 22 Uhr die Barriere für den Transitverkehr runterging. Restaurants und Läden sammeln sich lediglich an den Kreuzungen mit Kalkbreite-, Badener- und Birmensdorferstrasse. Dazwischen ist die Weststrasse, was sie immer war: Eine Wohnstrasse. Nur dass unterdessen das Personal ausgewechselt wurde.40 Jahre Transitschlauch, heute wieder Quartierstrasse: Für den früher von Lastwagen zerteilten Stadtteil Wiedikon ist diese Auferstehung ein Gewinn. Auch für die Hauseigentümer an der Strasse: Ihre Liegenschaften liegen plötzlich wertvoller, gratis und franko vom Staat aufgewertet. Haus um Haus wird saniert oder abgerissen und neu gebaut, die Wohnungen danach teurer vermietet. Bezahlbares verschwindet. Die Verkehrsumstellung begleitete die Stadt mit «flankierenden Massnahmen», damit der Durchgangsverkehr tatsächlich versiegte. In der Stadtentwicklung gingen solche flankierenden Massnahmen vergessen. Etwa für den der Erhalt günstiger Wohnungen und Gewerberäume – damit auch jene, die den Verkehr jahrzehntelang ertrugen, die Ruhe danach hätten geniessen können. Die Fotografin Corina Flühmann hat die Metamorphose der Weststrasse dokumentiert und in ein unprätentiöses Buch verpackt. Zwischen ganzseitige Strassenszenen sind Innenaufnahmen gestreut von Menschen und Räumen an der Westrasse. Sogar in eine jüdisch-orthodoxe Küche hat es die Fotografin geschafft. Die 244 Fotos aus den Jahren 2007 bis 2015 sind chronologisch gereiht. Damit wird der Wandel auf Trottoirs, an Häusern und Menschen von Seite zu Seite sichtbar, gegen Ende des Buchs immer deutlicher. Während die Häuserzeilen wieder bunter werden, wird das Völkergemisch einheitlicher. «Weststrasse» setzt der geschund...
Geschunden und auferstanden

In fünf Jahren hat sich die Zürcher Weststrasse vom Transitschlauch zur Wohnstrasse gewandelt. Die Fotografin Corina Flühmann hat die Metamorphose dokumentiert und in ein unprätentiöses Buch verpackt.

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