Nur das Monogramm ziert das Umschlag des Buches «Hans-Ulrich Meyer, Architekt»

Geheimnisvoll wie ein Kunstbuch

Der Gestalter Bruno Magreth hat das erste Architekturbuch in seinem neuen Verlag seinem Schwiegervater Hans-Ulrich Meyer gewidmet. Es kommt so geheimnisvoll wie ein Kunstbuch daher.

Der Gestalter Bruno Magreth hat lange für Dino Simonetts Name-Books-Verlag gearbeitet, unter anderem die Bücher zu Valerio Olgiatis Villa Além und «The Images of Architects» desselben Architekten gestaltet. Nun hat Magreth seinen eigenen Verlag gegründet in dem er Kunst- aber eben auch Architekturbücher gestaltet und verlegt. Das erste Architekturbuch hat er seinem Schwiegervater, dem 2004 verstorbenen Berner Architekten Hans-Ulrich Meyer gewidmet. Es kommt mit dem übergrossen Monogramm auf rotem Grund, das sich über den ganzen Umschlag zieht, so geheimnisvoll wie manches Kunstbuch daher. Es ruft: Mach mich auf, denn du weisst nicht, was dich erwartet! Wer es öffnet, wird zu einem steilen Einstieg gezwungen: Kein Vorwort, kein einführender Essay (den gibt es erst am Schluss), nur der Titel und das Inhaltsverzeichnis (beide in selber Schriftgrösse) eröffnen das Buch und schon geht es mit dem ersten Bau los. Mit einem strengen und reduzierten Gestaltungskonzept reagiert Magreth auf das heterogene und oft nur in mittelmässiger Qualität reproduzierbare Plan- und Bildmaterial und es gelingt ihm, eine angehnehme Ruhe ins Layout zu bringen. Das heisst: Bilder lieber wenige, dafür gross, Pläne schwarzweiss auf viel Weissraum, Texte auf noch mehr Weissraum ohne Bild. Magreth scheut sich nicht, auch Baustellenfotos oder unscharfe Bilder seitengross zu machen – vorausgesetzt, sie helfen das architektonisches Konzept zu vermitteln. Der Architekturhistoriker Christoph Allenspach beschreibt Meyers Architektur in seinem Essay wie folgt: «Seine Gebäude sind in mehr oder weniger grossem Ausmasse dissonant und hybrid, Assemblagen aus gegensätzlichen Elementen, voller Brüche und Kontraste bei den Formen, den Tragsystemen und den Materialien.» Das Publikationsmaterial widerspiegelt diese Heterogenität: Mal sind die bestehenden Fotos schwarzweiss, mal farbig aber oft aufgrund der analogen Reproduktionsvorlage unscharf. Die Pläne sind teils neu gezeichnet, teils Arbeitspläne mit Masslinien. Das collagenhafte macht den Duktus der achtziger und neunziger Jahre spürbar und widerspiegelt auch Meyers Haltung. Im Anhang findet sich ein kurzes teilweise bebildertes Werkverzeichnis und der Aufsatz von Allenspach, der Meyers Werk in der regionalen Architekturlandschaft verortet. Die sorgfältige Gestaltung behandelt Meyers Bauten ein bisschen wie Kunstwerke, was sie allerdings nicht sind. Deshalb lässt die Monographie – wer keinen persönlichen oder regionalen Bezug hat – etwas ratlos zurück: Es ist schwierig, von Meyers Bauten den Bogen in die Gegenwart zu schlagen und auch der Essay vermag keine Brücke zu zum aktuellen Diskurs zu bauen.

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