Flanieren in Arcaadia

Flanieren im Paradies

Dieses neue Arkadien sei unkommentiert entstanden, sagt Tobias Scheidegger. Es ist ein gerechnetes Paradies und seine Bilder schönen die gebaute Realität. Flanierend und sammelnd hat sich der Kulturwissenschaftler den digitalen Architekturvisualisierungen angenommen.

Er befragt die diskursive Macht von Bildern, die im Dienst der Architektur, ihrer kommerziellen Verwertung und politischen Instrumentalisierung stehen. Sie tauchen überall auf — in der Abstimmungspropaganda, in Werbeprospekten und längst in Wettbewerbseingaben. Der Autor klärt erst den Begriff Urbanität aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive, um dann zu untersuchen, wie der Diskurs über die Stadt in und mit Bildern geführt wird. Dabei streift er Bildtheorien, die ihn zu einem Leitfaden führen, mit dem er ausgewählte Beispiele analysiert. Was sind das für Bilder, was steuern sie und was sieht man auf ihnen? Die Studie überzeugt da, wo Scheideg-ger die Bildermacher befragt — Ingenieure und Architektinnen. Sie bestätigen die mimetische Kraft der Bilder und das manipulative Potenzial des Mediums. Und sie geben ohne Weiteres zu, dass Renderings auf den Entwurf zurückwirken — Renderings verwischen «die Grenzen zwischen Gegenwart und Zukunft, Entwurf und gebauter Realität». Umso notwendiger wird der kritische Umgang mit diesem Bildtyp. Ein Anfang ist gemacht.

Flanieren in Arcaadia: Digitale Architekturvisualisierungen — Analyse einer unbeachteten Bildgattung. Tobias Scheidegger, Zürcher Beiträge zur Alltagskultur, Bd. 19, Institut für Populäre Kulturen der Universtität Zürich, Zürich 2009, CHF 36.–

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