Vittorio Magnago Lampugnani: Die Stadt im 20. Jahrhundert. Visionen, Entwürfe, Gebautes.

Die Fäden der Stadt

Ein lustvoller Gang durch die Architekturgeschichte der modernen Stadt, grossartig in Umfang (zwei Bände im Schmuckschuber) und Bebilderung, unaufgeregt in Sprache und Gestaltung.

Anhand von 28 Kapiteln spinnt Vittorio Magnago Lampugnani (VML) auf 912 Seiten Fäden durch die Epochen. Den Zersiedlungsfaden von der Gartenstadtidee Howards über die Laubenidyllen des faschistischen Deutschlands bis zur Broadacre City Frank Lloyd Wrights. Oder den modernen Faden von den Reformbewegungen um 1900 über die Siedlungen der Weimarer Republik bis zum Städtebau von CIAM oder OMA. Je jünger die Geschichten, desto parteiischer ihr Autor: Die Poparchitekten der 60er und 70er Jahre kriegen ihr Fett weg, die «Abenteuer der typologischen Stadt» schliessen optimistisch den zweiten Band und das Jahrhundert. Nur wer mit den Vorurteilen der eigenen Zeit breche, so VML im Vorwort, der vermöge den Anschauungen früherer Epochen gerecht zu werden. Als «konservativer Revolutionär» schreibe er «aus einer eigenen Position heraus» – vorauseilend die heftige Kritik parierend, die manche seiner früheren Bücher hervorriefen. Diesmal wird sie ausbleiben. Nicht, weil der Autor seiner Position untreu geworden ist, sondern weil die Zeit von ihm gelernt hat.

Vittorio Magnago Lampugnani: Die Stadt im 20. Jahrhundert. Visionen, Entwürfe, Gebautes, Wagenbach Verlag, Berlin 2010, CHF 196.-

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen