Otl Aicher. Gestalter.

Der Designer als Moralist

Die Biographin Eva Moser zeigt ein differenziertes Bild des 1991 tödlich verunglückten Gestalters und Menschen, auch seine unbequemen, unsympatischen Seiten.

Der Erneuerer des Design, der Gründer der HfG Ulm, der Entwerfer für Braun und Lufthansa – Otl Aicher ist ein Titan der Visuellen Gestaltung, erfand nebenbei auch diesen Begriff. Nun zeigt uns die Biographin Eva Moser ein differenziertes Bild des 1991 tödlich verunglückten Gestalters und Menschen, auch seine unbequemen, unsympatischen Seiten. Immer aber erzählt sie mit Aichers Leben Zeitgeschichte. Nationalsozialismus, Krieg, die Ermordung seiner engen Freunde Hans und Sophie Scholl – alles was danach kam erscheint als Versuch der Wiedergutmachung: 1953 die Gründung der Hochschule für Gestaltung Ulm (die eine «Moral der Gegenstände» lehrte), 1972 die Gestaltung der Olympischen Spiele in München mit den berühmten Piktogrammen und lichten Farben (nicht die «Farben der Macht» Rot, Violett, Gold), selbst der Entwurf seiner Schrift Rotis und die Erscheinungsbilder vieler Firmen waren für Aicher vor allem eins: eine moralische Aufgabe. In den besten Fällen formte er eine Firma, vom Produkt bis zum Auftritt, nach seiner Vorstellung: Erco, FSB, bulthaup, Foster Partners. Gestaltung nicht als emotionale Äusserung, sondern rational und klar; nicht Styling, sondern Kommunikation. Eine «Ästhetik der Richtigkeit». Und eine Haltung, die Not tut. Heute mehr den je.

Otl Aicher. Gestalter. Eva Moser, Hatje Cantz 2011, CHF 48.-

close

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen