Hermann Czech in seinem Atelier in der Singergasse in Wien. Fotos: Gabriele Kaiser

Der Czech ist da!

Hermann Czech ist Kult. Gerade in der Schweiz hat der Wiener Architekt und Schöpfer abgründiger Gasthäuser viele Anhänger. Die können sich nun über seine Monographie freuen.

Endlich! Die Monographie von Hermann Czech ist da. Nun kann man sich durch die Räume des legendären Wiener Architekten blättern, durch seine Häuser und Gasthäuser, Ausstellungen und städtebaulichen Planungen. Das Buch ist nicht nur eine Monographie, sondern auch Ergebnis der Dissertation der Architektin Eva Kuss, die Czechs Werk in den kulturhistorischen Kontext des Nachkriegs-Wien stellt.

Wir erfahren, wie dem jungen, 17 (!) Jahre lang studierenden Czech die streng methodisch arbeitenden Künstler des Wiener Kreises geprägt haben, später der ähnlich arbeitende Konstrukteur Konrad Wachsmann. Die Performance-Architektur der zeitgleich startenden ‹Irrationalen› Hollein, Pichler, Prix und Co. erschienen ihm hingegen «völlig belanglos». Allerdings sind sie es, die in den folgenden Jahrzehnten das Bild der Architektur Österreichs prägen werden, nicht der tief- bis abgründige Hermann Czech, der sich mit seinen relativ wenigen Bauten und Texten noch immer abmüht, in seinem Land die (abendländische) Kultur einzuführen. Wer, wenn nicht er, ist der rechtmässige Erbe von Adolf Loos, Josef Frank und Karl Kraus? Jeder kennt den Czech-Satz «Architektur ist Hintergrund» und viele kennen sein Kleines Café. Wer kennt mehr? Dank des Buches vielleicht bald viele.

Wer von den Eigenheiten dieses sperrigen Architekten weiss, fragt sich: Lässt der so einfach jemanden über sich und sein Leben schreiben, 450 Seiten lang? Sich das noch fragend, stolpert der Leser immer wieder über deutlich hervorgehobene Textpassagen. Die Einleitung erklärt, das seien Aussagen des Architekten und nicht der Autorin (er in seiner fett-strengen Lieblingsschrift Bodoni, sie in der weicheren Garamond). Die Hervorhebungen sollen die Widersprüche zwischen beiden Meinungen deutlich machen, liest man. Welche Widersprüche? Das Sonderbare: Auch in den fetten Passagen ist von Czech in der dritten Person die Rede. Der Architekt ist König! Jedenfalls im eigenen Buch.

Hermann Czech. Architekt in Wien, Park Books, Fr. 69

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