Gemeinschaftlich ist die ursprüngliche Art allen Wohnens. Das Buch «Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens. Modelle des Zusammenlebens.» erzählt seine Geschichte.

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Loderer liest weiter. «Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens» ist ein gründliches Buch, schreibt der Stadtwanderer. Die Pläne sind lesbar und die Massstäbe abgestimmt. Ein schönes Buch ist es auch.


«Die kollektive Wohnform war vor der Industrialisierung die selbstverständliche und notwendige Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zur Existenzsicherung.» Selbst der freie, urchige, knorrige Bergbauer im Chalet lebte in Sippenhaft. Kernfamilie? Was isch das fürnes neumodischs Gschtürm, hätte er gesagt. Gemeinschaftlich ist die ursprüngliche Art allen Wohnens, Stichwort «Das ganze Haus». Die Gemeinschaft war vor der Individualität. Das ist das verschüttete Fundament der gemeinschaftlichen Wohnformen, deren Geschichte in diesem Buch erzählt wird. Wir machen einen Gang durch zwei Jahrhunderte.  Zuerst sind da die Frühsozialisten, Owens New Harmony, Fouriers Phalanstère, weiter geht's zu Godins Familistère, anders herum, es beginnt
philantropisch und paternalistisch. Soviel zum 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert geht's erst richtig los. Das Ledigenheim mit Schlafsälen wäre heute eine Notschlafstelle. Die Frauenkolonie am Lettenhof von Lux Guyer hingegen war ein emanzipatorisches Projekt. Ledige Frauen waren auf keinen Mann mehr angewiesen. Die nächste Stufe heisst Boarding House, ein Dauerhotel für Alleinstehende, mit Service und für mittelständische Berufsnomaden. In den Einküchenhäusern wurde die Frau vom Kochen befreit. Selbstverständlich gibt es auch einen Blick in die junge Sowjetunion: Es geht von der Kommunalka, der Aufteilung der Wohnungen, jeder Familie ein Zimmer, bis zum Kommunehaus mit vollständiger Vergesellschaftung. (Einmal mehr studierte ich
den Schnitt des Kommunehauses Narkofim von Moisej Ginzburg, wo Corbus Schnitt von Marseille bereits 1930 zu besichtigen ist.) Bis hierher ging's ums Geld oder ums «Teilen als ökonomische Intention». 
Es ging aber immer auch ums «Teilen als politische Intention», um eine Gegenwelt. Es fällt auf, dass viele Projekte vor dem Hintergrund einer tiefen Stadtskepsis formuliert sind. Von Charles Fourie...
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Loderer liest weiter. «Eine Geschichte des gemeinschaftlichen Wohnens» ist ein gründliches Buch, schreibt der Stadtwanderer. Die Pläne sind lesbar und die Massstäbe abgestimmt. Ein schönes Buch ist es auch.

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