Das Rautenmuster bereitete das neue Flussbett vor und ziert den Umschlag des Buches.

Das Buch zum Fluss

Das Buch «Aire» dokumentiert die Renaturierung des gleichnamigen Flusses im Kanton Genf. Es behandelt sowohl die technischen als auch die poetischen Seiten des Projekts. Dreisprachig, mit französichen Wurzeln.

Genf ist die vielleicht grossstädtischste und sicherlich die internationalste Stadt der Schweiz. Genf ist aber auch ein Agrarkanton mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen und idyllischen Dörfern gleich ausserhalb der Hauptstadt der «République et Canton de Genève», wie sich der Kanton stolz nennt. Um diese Anbauflächen intensiver zu nutzen und vor Hochwasser zu schützen, hat man vor mehr als hundert Jahren begonnen, die Flüsse und Bäche zu kanalisieren.
Einer davon war die Aire, ein gut zehn Kilometer langer Fluss, der in den Savoyer Alpen aus mehreren Bächen entsteht und in der Stadt Genf – dort als unterirdischer Kanal – in die Arve und kurz danach in die Rhone fliesst. Überschwemmungen, eine verarmte Flora und Fauna und die starke Belastung mit Pestiziden machten deutlich, dass die vor über hundert Jahren angewandten Rezepte auf Dauer nicht funktionieren. 2002 begann ein gross angelegtes, in mehrere Etappen aufgeteiltes Renaturierungsprogramm für die Aire. 2015 zeichnete Hochparterre dieses Projekt mit dem «Goldenen Hasen» in Landschaftsarchitektur aus.

Rautenmuster als Relief
Das Buch «Aire» aus dem Verlag Park Books dokumentiert diese Arbeiten und beleuchtet sie von verschiedenen Seiten. Herausgeber ist das Projektteam der Aire-Renaturierung, das Team Superpositions (Georges Descombes, Atelier Descombes & Rampini, B+C Hydraulic Engineers, ZS Structural Engineers, Biotec applied Biology). Sie machen in dem Buch klar, dass ihr Name Programm war. Denn unter Renaturierung verstanden sie nicht einfach die Wiederherstellung irgendeines früheren Zustandes, sondern die Überlagerung von altem und neuem Flusslauf. Der gerade Kanal blieb dabei als «Doppelgänger» des neuen Flussbetts bestehen, erhielt aber eine neue Funktion als Erholungsgebiet. Doch der renaturierte Fluss konnte sich nicht einfach ein fixfertiges naturnahes Bett legen, sondern er musste es sich in einer zunächst mit kräftigen Eingriffen geradezu malträtierten Landschaft selbst suchen – und dabei beispielsweise die von Baggern vorgezeichneten Furchen erodieren. Das Rautenmuster dieser Furchen ziert als Relief den knallorangen Umschlag des Buches.
In Bild und Text behandelt das Buch die technischen Aspekte der Renaturierung – von Grobskizzen bis hin zu Detailzeichnungen – ebenso wie die poetischen Seiten. Bilderstrecken gliedern die über 300 Seiten in einzelne Abschnitte. Alle Texte sind integral dreisprachig Englisch, Französisch und Deutsch – und zwar in dieser Reihenfolge; la Genève internationale eben. Allerdings sind in den deutschen Texten die französischen Wurzeln noch stark, manchmal zu stark spürbar. Verschachtelte Sätze und hochgestochene Formulierungen sind im Französischen geläufig und erzeugen eine gewisse Eleganz. Auf Deutsch übertragen wird das jedoch sperrig und schwer lesbar, sodass die Konzentration auf die Form manchmal vom Inhalt ablenkt.

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