Urban Code

99 Gemeinplätze

«Urban Code» will 100 Lektionen im «Verstehen der Stadt» erteilen. Doch unter den 100 Gemeinplätzen findet der gemeine Leser vielleicht eine echte Lektion.

«Urban Code» will 100 Lektionen im «Verstehen der Stadt» erteilen. Anne Mikoleit und Moritz Prückhauer haben sich für ihre Analyse des städtischen Lebens und seiner Auswirkungen den Raum des New Yorker Stadtteils SoHo ausgesucht. Emsig stellt man sich die beiden bei der Feldforschung vor: Sie zählen Abfallsäcke vor den Flagship-Stores, setzen den Anteil Grauhaarige in Relation mit den Fussgängern anderer Haarfarbe, beobachten Strassenhändler, messen Pendler- und Touristenströme und notieren sich deren Zeiten. So weit, so gut. Die «Lektionen», die die beiden Autoren aus ihrer phänomenologischen Recherche formulieren, sind hingegen banal. Eine Lektion ist etwa, dass Menschen lieber in der Sonne als im Schatten gehen, eine andere, dass Geschäfte ihre Waren in Säcke packen, eine dritte, dass der Verkehr in Seitenstrassen langsamer fliesst als auf Hauptstrassen, eine vierte, dass Lieferwagen (morgens) den Verkehr blockieren, eine fünfte, dass Menschen in Gruppen langsamer gehen als Einzelpersonen und so weiter und so fort. Unter den 100 Gemeinplätzen findet der gemeine Leser vielleicht eine echte Lektion. Wieso? Weil städtisches Leben so funktional ist wie kaum etwas anderes. Darum ist es auch so einfach und meist selbsterklärend. Lesehilfe braucht es keine, höchstens für Menschen aus anderen Kulturkreisen. Aber auch für sie ist es keine Lektion, dass Snack-Stände nach Essen riechen. HÖ

Urban Code
100 Lessons for Understanding the City. Anne Mikoleit, Moritz Prückhauer, Verlag gta, Zürich 2011, CHF 23.–


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