Das ursprüngliche Projekt für den Roche-Turm von Herzog & de Meuron von 2006.

Architektur träumen

Das Buch ‹Basel ungebaut› versammelt gescheiterte Projekte aus 200 Jahren Basler Stadtgeschichte und zeigt, dass unrealisierte Bauten auf eigenwillige Art gegenwärtig bleiben.

Träume sind oft wirkungsmächtiger als die Realität. Was wäre der Basler Architekturdiskurs ohne das Projekt für das Stadtcasino, das Zaha Hadid einst in der Altstadt plante? Ohne den ursprünglichen Entwurf für den Roche-Turm, den Herzog & de Meuron zur Doppelhelix drehten? Ohne die Städtebauidee von MVRDV für die Klybeckinsel, die die Gegner als «Rheinhattan» verspotteten? Egal, was man von diesen Projekten hält: Basel wäre um viele Ideen und Debatten ärmer. ###Media_2### ###Media_3### Tilo Richter hat solche und andere Projekte aus 200 Jahren Basler Stadtgeschichte aus den Schubladen geholt und im Buch ‹Basel ungebaut› versammelt, damit sie weiterleben und uns weiter inspirieren. Entstanden ist ein beeindruckender «Fundus der Möglichkeiten», wie es im Vorwort heisst: Gescheitertes, auf Papier Gebliebenes, Verlorenes. Aber auch kühne Entwürfe, grosse Ideen, architektonische Sternschnuppen. Schon Étienne-Louis Boullée oder Bruno Taut wussten: «Unrealisierte Bauten bleiben auf eigenwillige Art gegenwärtig und bringen sich trotz ihrer weitgehend immateriellen Präsenz immer wieder neu in Erinnerung», wie Tilo Richter schreibt. Entwürfe sind frei von den Zwängen und Zumutungen der Realität. «Nichtgebautes muss nicht bestehen, sich nicht bewähren und sich nicht etablieren.» In der Schweiz haben die geplatzten Träume oft mit der Demokratie zu tun – die Mehrheit sagt Ja oder Nein zu einem Projekt. Dann wiederum scheitern die Bauvorhaben am Geld oder an Rechtsstreiten. ###Media_4### ###Media_5### Das Buch ist keine reine Projektschau. Dichte Texte schlüsseln auf, warum an neuralgischen Standorten immer wieder geplant und immer wieder nichts daraus geworden ist. Ein Extrembeispiel ist die Planung für die Basler Kunstsammlung, die um 1900 begann, zwölf Standorte ins Auge fasste und in mehreren Architekturwettbewerben mehr als 250 Entwürfe hervorb...
Architektur träumen

Das Buch ‹Basel ungebaut› versammelt gescheiterte Projekte aus 200 Jahren Basler Stadtgeschichte und zeigt, dass unrealisierte Bauten auf eigenwillige Art gegenwärtig bleiben.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?